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Polens Staatsgeschichte reicht bis ins [[9. Jahrhundert]] und ist eng mit dem Aufstieg des [[Slawen|westslawischen]] Stammes der [[Polanen]] verknüpft, die einen Großteil der entlang der [[Weichsel]] lebenden Stämme an sich banden. Ab Mitte des [[10. Jahrhundert]]s wurde Polen schrittweise christianisiert und 1025 schließlich zum Königreich erhoben. Die junge Erbmonarchie erlebte während der Dynastie der [[Piasten]] bis 1370 und der Dynastie der [[Jagiellonen]] bis 1572 einen steten Aufstieg zur regionalen Großmacht. Nach der Schaffung der sogenannten [[Lubliner Union]] zwischen dem Königreich Polen und dem [[Litauen|Großfürstentum Litauen]] setzte die Aristokratie beider Länder das Recht der freien Wahl des Herrschers durch. Es entstand der erste demokratische Flächenstaat Europas, mit föderalem Charakter, republikanischem Staatswesen, demokratischer Gesetzgebung, einem gewählten Monarchen und deutlich gestärktem Reichsparlament, das fortan zur wichtigsten politischen Institution wurde. | |||
Neben Polen und Litauern lebten in der Lubliner Union auch Deutsche, Ruthenen, Ukrainer, Weißrussen, Letten, Esten, Kaschuben, Armenier und Tataren. Die Folge waren eine Ausweitung der Religionsfreiheit und der Ständerechte, sowie eine Verlagerung der Macht von der Krone und dem Klerus auf den Landadel und das Magnatentum. [[Christentum|Christen]], [[Islam|Muslime]] und [[Judentum|Juden]] lebten hier friedlich zusammen. Aber auch die Schaffung eines losen Parteiensystems und die Verabschiedung der ersten modernen Verfassung Europas fielen in diese Zeit, in der in Anlehnung an die Aufklärungsbewegung die Menschenrechte verankert wurden. Bis 1795 sollte die Lubliner Union zwischen Polen und Litauen bestehen bleiben, in der etwa 12 Millionen Menschen lebten und die von der [[Ostsee]] bis ans [[Schwarze Meer]] reichte. Ihr demokratischer Charakter stellte das genaue Gegenteil zu den absolutistischen Großmächten Europas dar, was nach gewaltsamen Übergriffen und innenpolitischer Einflussnahme zu den Polnischen Teilungen führte. | |||
== | In den folgenden 123 Jahren verschwand Polen fast vollständig von der Landkarte und existierte nur etappenweise als Vasallenstaat [[Frankreich]]s oder [[Russland]]s weiter. Nach dem Ende des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]] 1918 erlangte Polen seine Unabhängigkeit zurück. Die junge II. Republik musste jedoch mit den Herausforderungen ihrer Teilungsgeschichte, den ideologischen Entwicklungen im Rest Europas und, ähnlich wie die [[Weimarer Republik]], mit politischen Wirren innerhalb ihrer demokratischen Institutionen kämpfen. Nach dem Überfall Deutschlands und der [[Sowjetunion]] auf Polen 1939 wurde das Land erneut aufgeteilt. Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] erfuhr die Bevölkerung Polens ein schweres Martyrium, das rund sechs Millionen Menschen das Leben kostete. Obwohl seine Streitkräfte auf Seiten der Westmächte gekämpft hatten, fiel Polen nach 1945 in den Einflussbereich der [[Kommunismus|Kommunisten]] und erlebte zugleich eine Westverschiebung, die mit dem Verlust wichtiger Gebiete im Osten des Landes einherging. 1989 gelang Polen im Zuge verschiedener Entwicklungen als erstem Staat des [[Ostblock]]s der Systemwechsel, der unter anderem nicht nur zum Fall der [[Berliner Mauer]] beitrug, sondern auch in Polen selbst zur Bildung der III. Republik führte sowie [[Demokratie]] und [[Marktwirtschaft]] zurückbrachte. Die erfolgreiche Transformation des Staates ermöglichte 2004 schließlich den Beitritt Polens zur [[Europäische Union|Europäischen Union]]. | ||
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Polen grenzt im Norden an die [[Ostsee]], die [[Russland|russische]] Exklave Kaliningrad und [[Litauen]], im Osten an [[Weißrussland]] und die [[Ukraine]], im Süden an die [[Slowakei]] und [[Tschechische Republik|Tschechien]] sowie im Westen an [[Deutschland]]. Im Süden prägen zudem die Gebirgsketten der [[Sudeten]], [[Beskiden]] und der [[Hohe Tatra|Hohen Tatra]] die polnische Landschaft, während der Rest des Landes von weiten Ebenen und Seenlandschaften geprägt ist. | |||
== Daten des Landes == | == Daten des Landes == | ||
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== Politik und Verwaltung == | == Politik und Verwaltung == | ||
Polen ist in 16 Gebietskörperschaften ([[Woiwodschaft]]en) gegliedert. | Polen ist eine parlamentarische Republik mit direkt gewähltem Staatspräsident und vom Parlament gewählten Ministerpräsident. Polen ist zugleich in 16 Gebietskörperschaften ([[Woiwodschaft]]en) mit eigenen Regionalparlamenten gegliedert. Es werden je Legislaturperiode sowohl nationale als auch regionale Wahlen abgehalten. Direkt gewähltes Staatsoberhaupt ist derzeit [[Andrzej Duda]]. Ministerpräsident ist [[Mateusz Morawiecki]], der als Nachfolger von [[Beata Szydło]] einer 2015 gewählten rechtskonservativen Regierung vorsteht, der internationale Beobachter Tendenzen zur [[Demokratur]] bescheinigen. Polen ist seit 2004 Mitglied der [[Europäische Union|Europäischen Union]]. | ||
== Religion und Ethnien == | == Religion und Ethnien == | ||
Rund 87 % der Bevölkerung bekennen sich, teils | Rund 87 % der Bevölkerung bekennen sich, teils aktiv, zum [[römisch-katholische Kirche|römisch-katholischen]] Glauben. Die größte ethnische Minderheit sind Deutsche, sowie die in der Region um [[Danzig]] lebenden [[Kaschuben]]. Die größte Migrantengruppe stellen mit bis zu 3 Mio. Menschen gegenwärtig Ukrainer dar. | ||
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Version vom 6. August 2019, 08:57 Uhr
Polen ist ein Staat in Europa.
Geschichte
Polens Staatsgeschichte reicht bis ins 9. Jahrhundert und ist eng mit dem Aufstieg des westslawischen Stammes der Polanen verknüpft, die einen Großteil der entlang der Weichsel lebenden Stämme an sich banden. Ab Mitte des 10. Jahrhunderts wurde Polen schrittweise christianisiert und 1025 schließlich zum Königreich erhoben. Die junge Erbmonarchie erlebte während der Dynastie der Piasten bis 1370 und der Dynastie der Jagiellonen bis 1572 einen steten Aufstieg zur regionalen Großmacht. Nach der Schaffung der sogenannten Lubliner Union zwischen dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen setzte die Aristokratie beider Länder das Recht der freien Wahl des Herrschers durch. Es entstand der erste demokratische Flächenstaat Europas, mit föderalem Charakter, republikanischem Staatswesen, demokratischer Gesetzgebung, einem gewählten Monarchen und deutlich gestärktem Reichsparlament, das fortan zur wichtigsten politischen Institution wurde.
Neben Polen und Litauern lebten in der Lubliner Union auch Deutsche, Ruthenen, Ukrainer, Weißrussen, Letten, Esten, Kaschuben, Armenier und Tataren. Die Folge waren eine Ausweitung der Religionsfreiheit und der Ständerechte, sowie eine Verlagerung der Macht von der Krone und dem Klerus auf den Landadel und das Magnatentum. Christen, Muslime und Juden lebten hier friedlich zusammen. Aber auch die Schaffung eines losen Parteiensystems und die Verabschiedung der ersten modernen Verfassung Europas fielen in diese Zeit, in der in Anlehnung an die Aufklärungsbewegung die Menschenrechte verankert wurden. Bis 1795 sollte die Lubliner Union zwischen Polen und Litauen bestehen bleiben, in der etwa 12 Millionen Menschen lebten und die von der Ostsee bis ans Schwarze Meer reichte. Ihr demokratischer Charakter stellte das genaue Gegenteil zu den absolutistischen Großmächten Europas dar, was nach gewaltsamen Übergriffen und innenpolitischer Einflussnahme zu den Polnischen Teilungen führte.
In den folgenden 123 Jahren verschwand Polen fast vollständig von der Landkarte und existierte nur etappenweise als Vasallenstaat Frankreichs oder Russlands weiter. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 erlangte Polen seine Unabhängigkeit zurück. Die junge II. Republik musste jedoch mit den Herausforderungen ihrer Teilungsgeschichte, den ideologischen Entwicklungen im Rest Europas und, ähnlich wie die Weimarer Republik, mit politischen Wirren innerhalb ihrer demokratischen Institutionen kämpfen. Nach dem Überfall Deutschlands und der Sowjetunion auf Polen 1939 wurde das Land erneut aufgeteilt. Während des Zweiten Weltkrieges erfuhr die Bevölkerung Polens ein schweres Martyrium, das rund sechs Millionen Menschen das Leben kostete. Obwohl seine Streitkräfte auf Seiten der Westmächte gekämpft hatten, fiel Polen nach 1945 in den Einflussbereich der Kommunisten und erlebte zugleich eine Westverschiebung, die mit dem Verlust wichtiger Gebiete im Osten des Landes einherging. 1989 gelang Polen im Zuge verschiedener Entwicklungen als erstem Staat des Ostblocks der Systemwechsel, der unter anderem nicht nur zum Fall der Berliner Mauer beitrug, sondern auch in Polen selbst zur Bildung der III. Republik führte sowie Demokratie und Marktwirtschaft zurückbrachte. Die erfolgreiche Transformation des Staates ermöglichte 2004 schließlich den Beitritt Polens zur Europäischen Union.
Geographie
Polen grenzt im Norden an die Ostsee, die russische Exklave Kaliningrad und Litauen, im Osten an Weißrussland und die Ukraine, im Süden an die Slowakei und Tschechien sowie im Westen an Deutschland. Im Süden prägen zudem die Gebirgsketten der Sudeten, Beskiden und der Hohen Tatra die polnische Landschaft, während der Rest des Landes von weiten Ebenen und Seenlandschaften geprägt ist.
Daten des Landes
- Hauptstadt: Warschau (ca. 1,8 Mio. Einwohner; 3,2 Mio. im Ballungsraum)
- Größter Ballungsraum: Kattowitz (ca. 5,3 Mio. Einwohner, davon 295.000 in Kattowitz selbst)
- Fläche: 312.684 km²
- Bevölkerung: ca. 38,6 Mio. Einwohner (davon 3,2 % mit Migrationshintergrund)
- Währung: Złoty (zł, PLN)
- Zeitzone: MEZ, mit europäischer Sommerzeit
- Amtssprache: Polnisch (regional anerkannte Minderheitensprachen auch Deutsch und Kaschubisch)
Politik und Verwaltung
Polen ist eine parlamentarische Republik mit direkt gewähltem Staatspräsident und vom Parlament gewählten Ministerpräsident. Polen ist zugleich in 16 Gebietskörperschaften (Woiwodschaften) mit eigenen Regionalparlamenten gegliedert. Es werden je Legislaturperiode sowohl nationale als auch regionale Wahlen abgehalten. Direkt gewähltes Staatsoberhaupt ist derzeit Andrzej Duda. Ministerpräsident ist Mateusz Morawiecki, der als Nachfolger von Beata Szydło einer 2015 gewählten rechtskonservativen Regierung vorsteht, der internationale Beobachter Tendenzen zur Demokratur bescheinigen. Polen ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union.
Religion und Ethnien
Rund 87 % der Bevölkerung bekennen sich, teils aktiv, zum römisch-katholischen Glauben. Die größte ethnische Minderheit sind Deutsche, sowie die in der Region um Danzig lebenden Kaschuben. Die größte Migrantengruppe stellen mit bis zu 3 Mio. Menschen gegenwärtig Ukrainer dar.
Siehe auch