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Sir Hugh: Unterschied zwischen den Versionen
das war alles in England ! |
→Hintergrund und Entstehung der Legende: das ist der zweite Fall ! |
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* Das erste Auftreten einer Ritualmordlegende in England ist auf das Jahr 1144 zu datieren, als in [[Norwich]] ein 12-jähriger Junge namens ''William'' tot aufgefunden wurde. Die Tat wurde bald Juden zugeschrieben. Durch die [[Hagiografie]] ''The Life and Miracles of William of Norwich'' des Mönches [[Thomas of Monmouth]] wurde die Legende bald populär. Wenige Jahre später behauptete ein zum [[Christentum]] konvertierter Jude namens ''Theobald'', dass Juden überall in Europa christliche Kinder entführten und zu rituellen Zwecken opferten.<ref>Joseph Jacobs: ''Little St. Hugh of Lincoln - Researches in History, Archaeology, and Legend''; in Alan Dundes: ''The Blood Libel Legend - A Casebook in Anti-Semitic Folklore'', University of Wisconsin Press, S. 47</ref> | * Das erste Auftreten einer Ritualmordlegende in England ist auf das Jahr 1144 zu datieren, als in [[Norwich]] ein 12-jähriger Junge namens ''William'' tot aufgefunden wurde. Die Tat wurde bald Juden zugeschrieben. Durch die [[Hagiografie]] ''The Life and Miracles of William of Norwich'' des Mönches [[Thomas of Monmouth]] wurde die Legende bald populär. Wenige Jahre später behauptete ein zum [[Christentum]] konvertierter Jude namens ''Theobald'', dass Juden überall in Europa christliche Kinder entführten und zu rituellen Zwecken opferten.<ref>Joseph Jacobs: ''Little St. Hugh of Lincoln - Researches in History, Archaeology, and Legend''; in Alan Dundes: ''The Blood Libel Legend - A Casebook in Anti-Semitic Folklore'', University of Wisconsin Press, S. 47</ref> | ||
* Die Ballade ''Little Sir Hugh'' beruht auf der Ritualmordlegende über ''[[Hugh of Lincoln|Little Saint Hugh of Lincoln]]''. Am 31. Juli 1255 verschwand der neunjährige Junge ''Hugh'' aus [[Lincoln]]. Am 27. August wurde er dann tot aufgefunden. | * Die Ballade ''Little Sir Hugh'' beruht wahrscheinlich auch auf der Ritualmordlegende über ''[[Hugh of Lincoln|Little Saint Hugh of Lincoln]]''. Am 31. Juli 1255 verschwand der neunjährige Junge ''Hugh'' aus [[Lincoln]]. Am 27. August wurde er dann tot aufgefunden. | ||
* Kurz nach dem Tod des kleinen Hugh behauptete [[Sir John Lexington]], der als Diplomat, Seneschall und Richter für den englischen König arbeitete, dass Juden dafür verantwortlich seien. Freunde von ''Hugh'' bestätigten diese Anschuldigung. Ein Jude namens ''Copin'' habe Hugh eingesperrt, gefoltert und eventuell sogar gekreuzigt. Der Jude wurde verhaftet und gestand unter Folter die Tat. Bevor er hingerichtet wurde beschuldigte er noch die ganze jüdische Gemeinde von Lincoln der Tat. Später wurden dann weitere 18 Juden aus Lincoln verhaftet, nach London geschafft und dort hingerichtet. <ref>Richard S. Levy: ''Antisemitism - A Historical Encyclopedia of Prejudice and Persecution'', Band I, ABC CLIO, 2005, S. 326 und 327</ref> | * Kurz nach dem Tod des kleinen Hugh behauptete [[Sir John Lexington]], der als Diplomat, Seneschall und Richter für den englischen König arbeitete, dass Juden dafür verantwortlich seien. Freunde von ''Hugh'' bestätigten diese Anschuldigung. Ein Jude namens ''Copin'' habe Hugh eingesperrt, gefoltert und eventuell sogar gekreuzigt. Der Jude wurde verhaftet und gestand unter Folter die Tat. Bevor er hingerichtet wurde beschuldigte er noch die ganze jüdische Gemeinde von Lincoln der Tat. Später wurden dann weitere 18 Juden aus Lincoln verhaftet, nach London geschafft und dort hingerichtet. <ref>Richard S. Levy: ''Antisemitism - A Historical Encyclopedia of Prejudice and Persecution'', Band I, ABC CLIO, 2005, S. 326 und 327</ref> | ||
* Die Legende um Little Saint Hugh wurde immer populärer, und dem ermordeten Jungen wurden unzählige Wunder zugeschrieben. Obwohl nie offiziell als Heiliger anerkannt, galt er doch im Volk als christlicher Märtyrer. Ein im Jahr 1290 auf Befehl [[Edward I.]] in der [[Kathedrale]] von Lincoln für ihn angelegter Schrein wurde bald zu einem beliebten Pilgerziel. | * Die Legende um Little Saint Hugh wurde immer populärer, und dem ermordeten Jungen wurden unzählige Wunder zugeschrieben. Obwohl nie offiziell als Heiliger anerkannt, galt er doch im Volk als christlicher Märtyrer. Ein im Jahr 1290 auf Befehl [[Edward I.]] in der [[Kathedrale]] von Lincoln für ihn angelegter Schrein wurde bald zu einem beliebten Pilgerziel. | ||
Version vom 27. April 2023, 11:34 Uhr
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Little Sir Hugh bzw. The Jew`s Daughter ist eine traditionelle englische Ballade. In dem antijudaistisch gefärbten Lied geht es um einen englischen Jungen, der von einem jüdischen Mädchen ermordet wird. Damit wird die im Mittelalter verbreitete Ritualmordlegende aufgegriffen. Der eventuell bis auf das Mittelalter zurückreichende Titel verbreitete sich in verschiedenen Varianten in England, den USA, Kanada und teilweise auch Irland, und war selbst im 19. Jahrhundert noch sehr bekannt.
Hintergrund und Entstehung der Legende
- Das erste Auftreten einer Ritualmordlegende in England ist auf das Jahr 1144 zu datieren, als in Norwich ein 12-jähriger Junge namens William tot aufgefunden wurde. Die Tat wurde bald Juden zugeschrieben. Durch die Hagiografie The Life and Miracles of William of Norwich des Mönches Thomas of Monmouth wurde die Legende bald populär. Wenige Jahre später behauptete ein zum Christentum konvertierter Jude namens Theobald, dass Juden überall in Europa christliche Kinder entführten und zu rituellen Zwecken opferten.[1]
- Die Ballade Little Sir Hugh beruht wahrscheinlich auch auf der Ritualmordlegende über Little Saint Hugh of Lincoln. Am 31. Juli 1255 verschwand der neunjährige Junge Hugh aus Lincoln. Am 27. August wurde er dann tot aufgefunden.
- Kurz nach dem Tod des kleinen Hugh behauptete Sir John Lexington, der als Diplomat, Seneschall und Richter für den englischen König arbeitete, dass Juden dafür verantwortlich seien. Freunde von Hugh bestätigten diese Anschuldigung. Ein Jude namens Copin habe Hugh eingesperrt, gefoltert und eventuell sogar gekreuzigt. Der Jude wurde verhaftet und gestand unter Folter die Tat. Bevor er hingerichtet wurde beschuldigte er noch die ganze jüdische Gemeinde von Lincoln der Tat. Später wurden dann weitere 18 Juden aus Lincoln verhaftet, nach London geschafft und dort hingerichtet. [2]
- Die Legende um Little Saint Hugh wurde immer populärer, und dem ermordeten Jungen wurden unzählige Wunder zugeschrieben. Obwohl nie offiziell als Heiliger anerkannt, galt er doch im Volk als christlicher Märtyrer. Ein im Jahr 1290 auf Befehl Edward I. in der Kathedrale von Lincoln für ihn angelegter Schrein wurde bald zu einem beliebten Pilgerziel.
- Der englische Dichter Geoffrey Chaucer ließ z.B. als Abschluss seines Werkes The Prioress's Tale die Legende von Little Saint Hugh einfließen:
- "O yonge Hugh of Lyncoln, slayn also / Oh young Hugh of Lincoln, slain also / With cursed Jewes, as it is notable, / By cursed Jews, as it is well known, / For it is but a litel while ago, / For it is but a little while ago, / Preye eek for us, we synful folk unstable, ... " [3]
Siehe auch
Weblinks
Literatur
- Peter Aldag: Das Judentum in England, Nordland Verlag, Berlin 1943
Einzelnachweise
- ↑ Joseph Jacobs: Little St. Hugh of Lincoln - Researches in History, Archaeology, and Legend; in Alan Dundes: The Blood Libel Legend - A Casebook in Anti-Semitic Folklore, University of Wisconsin Press, S. 47
- ↑ Richard S. Levy: Antisemitism - A Historical Encyclopedia of Prejudice and Persecution, Band I, ABC CLIO, 2005, S. 326 und 327
- ↑ Geoffrey Chaucer: The Canterbury Tales in Plain and Simple English (Translated), BookCaps, 2012
Andere Lexika
Wikipedia kennt dieses Lemma (Sir Hugh) vermutlich nicht.
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