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Massenpsychologie
Die Massenpsychologie ist eine vom Franzosen Gustave Le Bon Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Eindruck der entstehenden großen Arbeiterbewegungen begründete Richtung der Psychologie. Er stützte sich vorab auf die These, dass Massensituationen, also z.B. große öffentliche (damals vor allem politische) Versammlungen eine gesteigerte Irrationalität, also ein Überhandnehmen von gefühlsmäßigem Verhalten, der meisten Teilnehmenden zur Folge haben. Sie verlieren zusehends die verstandesmäßige Kontrolle über sich. Le Bon übertrug diese Versammlungs-Situationen, und da blieb er nicht unumstritten, auch auf den allgemeinen politischen Zustand der damaligen, noch von Karl Marx und Friedrich Engels beeinflussten Arbeiterbewegung.
Die Massensituationss-These von Le Bon erfuhr im Nachhinein vor allem auch durch die Wirkung der Massenveranstaltungen im Nationalsozialismus eine eindrückliche Bestätigung. Doch bereits in der Bibel finden sich Beispiele wie etwa die Verurteilung und Kreuzigung Jesu.
Heutige massenpsychologische Erscheinungen manifestieren sich relativ offensichtlich etwa noch in stark gefüllten Sportstadien oder in der etwas anders gelagerten Form der Massenpanik, z.B. seinerzeit an der Duisburger Loveparade. Vance Packard, Herbert Marcuse und andere gingen aber auch davon aus, dass die Konsumwerbung eine gesamte Gesellschaft maßgeblich in eine von der Wirtschaft gewünschte Richtung beeinflussen kann.
Literatur
- Gustave Le Bon: Psychologie des foules, 1895; deutsch „Psychologie der Massen“, in der Übersetzung von R. Eisler (1911)
- Vance Packard: Die wehrlose Gesellschaft, Econ Verlag 1964