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Tzipora Jochsberger: Unterschied zwischen den Versionen

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* Sophie Enslein hätte früher gerne das Klavierspiel erlernt, was ihre Eltern ihr aber nicht erlaubten. So beschloss sie, dass ihre Tochter später diese Möglichkeit haben sollte, und kaufte als Hilde vier oder fünf Jahre alt war ein Klavier. <ref>[https://digitalcollections.nypl.org/items/54cd4e40-02e5-0131-f653-58d385a7b928#/?uuid=55a4e4c0-02e5-0131-53fa-58d385a7b928 Interview von Joy Wouk mit Tzipora Jochsberger aus dem Jahr 1984, Tape 1 - 1]</ref> Ab dem siebten Lebensjahr erhielt Hilde Jochsberger im nahegelegenen [[Ansbach]] Klavierunterricht. Da es am Ort keine jüdische Schule gab wurde Hilde anfänglich von einem ab und an in den Ort kommenden jüdischen Lehrer unterrichtet. Bis zum 13. Lebensjahr besuchte sie dann die Realschule in [[Heilbronn]] und wohnte dort bei einer Tante. Danach ging sie auf die ''Israelitische Lehrerbildungsanstalt'' in [[Würzburg]], welche nach 1934 als einzige höhere Bildungseinrichtung Juden noch offen stand. Hier wuchs ihr Interesse für das Judentum und sie brachte sich im Eigenstudium das Spiel auf [[Violoncello]] und [[Flöte]] bei.  
* Sophie Enslein hätte früher gerne das Klavierspiel erlernt, was ihre Eltern ihr aber nicht erlaubten. So beschloss sie, dass ihre Tochter später diese Möglichkeit haben sollte, und kaufte als Hilde vier oder fünf Jahre alt war ein Klavier. <ref>[https://digitalcollections.nypl.org/items/54cd4e40-02e5-0131-f653-58d385a7b928#/?uuid=55a4e4c0-02e5-0131-53fa-58d385a7b928 Interview von Joy Wouk mit Tzipora Jochsberger aus dem Jahr 1984, Tape 1 - 1]</ref> Ab dem siebten Lebensjahr erhielt Hilde Jochsberger im nahegelegenen [[Ansbach]] Klavierunterricht. Da es am Ort keine jüdische Schule gab wurde Hilde anfänglich von einem ab und an in den Ort kommenden jüdischen Lehrer unterrichtet. Bis zum 13. Lebensjahr besuchte sie dann die Realschule in [[Heilbronn]] und wohnte dort bei einer Tante. Danach ging sie auf die ''Israelitische Lehrerbildungsanstalt'' in [[Würzburg]], welche nach 1934 als einzige höhere Bildungseinrichtung Juden noch offen stand. Hier wuchs ihr Interesse für das Judentum und sie brachte sich im Eigenstudium das Spiel auf [[Violoncello]] und [[Flöte]] bei.  
* 1938 machte ein Klassenkamerad Hilde Jochsberger auf die Möglichkeit aufmerksam, durch die Aufnahme am Musikkonservatorium im [[Mandatsgebiet Palästina]] den nationalsozialistischen Diskriminierungen in Deutschland zu entkommen. Jochsberger konnte den Konservatoriumsleiter [[Emil Hauser]] in einem in Berlin stattfindenden Vorspiel überzeugen, und nachdem sie zwecks Vorbereitung auf Palästina kurze Zeit in [[Breslau]] [[Hebräisch]] lernte fuhr sie Anfang 1939 über [[München]] nach [[Triest]] und von dort per Schiff nach [[Haifa]]. Ihre Eltern fühlten sich in Deutschland verwurzelt und weigerten sich sie nach Palästina zu begleiten. 1942 wurden sie in das [[Konzentrationslager]] [[Theresienstadt]] deportiert und 1944 in [[Auschwitz]] ermordet.  
* 1938 machte ein Klassenkamerad Hilde Jochsberger auf die Möglichkeit aufmerksam, durch die Aufnahme am Musikkonservatorium im [[Mandatsgebiet Palästina]] den nationalsozialistischen Diskriminierungen in Deutschland zu entkommen. Jochsberger konnte den Konservatoriumsleiter [[Emil Hauser]] in einem in Berlin stattfindenden Vorspiel überzeugen, und nachdem sie zwecks Vorbereitung auf Palästina kurze Zeit in [[Breslau]] [[Hebräisch]] lernte und auch, um einen praktischen Beruf zum Broterwerb zu haben, dort für drei Monate noch eine Hauswirtschaftsschule besuchte, <ref>[https://digitalcollections.nypl.org/items/54cd4e40-02e5-0131-f653-58d385a7b928#/?uuid=55a4e4c0-02e5-0131-53fa-58d385a7b928 Interview von Joy Wouk mit Tzipora Jochsberger aus dem Jahr 1984 Tape 1 - 17]</ref> fuhr sie Anfang 1939 über [[München]] nach [[Triest]] und von dort per Schiff nach [[Haifa]] und von dort nach [[Jerusalem]]. Ihre Eltern fühlten sich in Deutschland verwurzelt und weigerten sich sie nach Palästina zu begleiten. 1942 wurden sie in das [[Konzentrationslager]] [[Theresienstadt]] deportiert und 1944 in [[Auschwitz]] ermordet.  
* In Israel studierte Hilde Jochsberger, die sich nun Tzipora Jochsberger nannte, an der ''Palestine Academy of Music'' sowie dem ''Music Teachers Seminary''. <ref>[http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20421/Leutershausen%20Nachruf%20Tzipora%20Jochsberger.pdf Alexander von Papp: ''Ihr Leben gehörte der Musik - Zum Tode von Tzipora (Hilde) Jochsberger'' auf ''www.alemannia-judaica.de'']</ref> Nach Abschluss ihrer Musikstudien war sie von 1942 bis 1947 Lehrer am von den Briten betriebenen ''Arab Teachers College'' in [[Jerusalem]]. 1946 wurde sie von den [[Großbritannien|Briten]] gebeten, eine Musiklehrplan für alle [[arabisch]]en Schulen auszuarbeiten. Diese Aufgabe weckte nebenbei auch ihr Interesse für Volksmusik. Von 1944 bis 1947 lehrte sie zusätzlich Klavier und Flöte und leitete einen Kinderchor. Dabei entwickelte sie eine Methode um jüdische Volksmusik an einem authentischen israelischen Instrument, der Flöte ''[[halil]]'', zu vermitteln. <ref>Hava N`halela: ''Tzipora Jochsberger and Her Vision for the Hebrew Arts School''; in Carol K. Ingall: ''The Women who Reconstructed American Jewish Education 1910-l965'', Brandeis University Press, 2010, S. 110</ref>
* In Israel studierte Hilde Jochsberger, die sich nun Tzipora Jochsberger nannte, an der ''Palestine Academy of Music'' sowie dem ''Music Teachers Seminary''. <ref>[http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20421/Leutershausen%20Nachruf%20Tzipora%20Jochsberger.pdf Alexander von Papp: ''Ihr Leben gehörte der Musik - Zum Tode von Tzipora (Hilde) Jochsberger'' auf ''www.alemannia-judaica.de'']</ref> Nach Abschluss ihrer Musikstudien war sie von 1942 bis 1947 Lehrer am von den Briten betriebenen ''Arab Teachers College'' in [[Jerusalem]]. 1946 wurde sie von den [[Großbritannien|Briten]] gebeten, eine Musiklehrplan für alle [[arabisch]]en Schulen auszuarbeiten. Diese Aufgabe weckte nebenbei auch ihr Interesse für Volksmusik. Von 1944 bis 1947 lehrte sie zusätzlich Klavier und Flöte und leitete einen Kinderchor. Dabei entwickelte sie eine Methode um jüdische Volksmusik an einem authentischen israelischen Instrument, der Flöte ''[[halil]]'', zu vermitteln. <ref>Hava N`halela: ''Tzipora Jochsberger and Her Vision for the Hebrew Arts School''; in Carol K. Ingall: ''The Women who Reconstructed American Jewish Education 1910-l965'', Brandeis University Press, 2010, S. 110</ref>
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Version vom 24. Juni 2018, 07:33 Uhr

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😃 Profil: Jochsberger, Tzipora
Namen Jochsberger, Hilde
Persönliche Daten
27. Dezember 1920
Leuterhausen
29. Oktober 2017
Jerusalem


Tzipora Jochsberger (* 27. Dezember 1920 in Leuterhausen; gest. 29. Oktober 2017 in Jerusalem) war eine jüdische Musikwissenschaftlerin, Komponistin und Pädagogin. Sie war sowohl in Israel wie den USA eine wichtige Wegbereiterin der jüdischen Musikerziehung.

Vita

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Tzipora Jochsberger im Jahr 1982 in ihrem Büro an der Hebrew Arts School (heute Kaufman Music Center) in New York
  • Das als Hilde Jochsberger in dem damals circa 2.000 Einwohner und 17 jüdische Familien umfassenden [1] [2] Leutershausen als einziges Kind des Viehhändlers Nathan Jochsberger und dessen Ehefrau Sophie Enslein geborene Mädchen erlebte schon als Kind antisemitische Anfeindungen als sie im Alter von sechs Jahren vom alljährlichen Maifest der Gemeinde ausgeschlossen wurde. [3] Nach ihren Erinnerungen kam es auch vor, dass man Steine in die Fenster von jüdischen Familien warf. [4] [5] Bereits als Kind begeisterte sich Hilde Jochsberger für Musik. Später erzählte sie:
"In der Nähe unseres Hauses war eine Tanzhalle. Sonntag abends stellte ich mich oft ans offene Fenster, um die Klänge der Tanzkapelle zu hören. In unserer Nachbarschaft war auch eine Kirche mit einer Orgel. Da stand ich oft hinter der Kirche, um der Musik zu lauschen." [6]
  • Sophie Enslein hätte früher gerne das Klavierspiel erlernt, was ihre Eltern ihr aber nicht erlaubten. So beschloss sie, dass ihre Tochter später diese Möglichkeit haben sollte, und kaufte als Hilde vier oder fünf Jahre alt war ein Klavier. [7] Ab dem siebten Lebensjahr erhielt Hilde Jochsberger im nahegelegenen Ansbach Klavierunterricht. Da es am Ort keine jüdische Schule gab wurde Hilde anfänglich von einem ab und an in den Ort kommenden jüdischen Lehrer unterrichtet. Bis zum 13. Lebensjahr besuchte sie dann die Realschule in Heilbronn und wohnte dort bei einer Tante. Danach ging sie auf die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, welche nach 1934 als einzige höhere Bildungseinrichtung Juden noch offen stand. Hier wuchs ihr Interesse für das Judentum und sie brachte sich im Eigenstudium das Spiel auf Violoncello und Flöte bei.
  • 1938 machte ein Klassenkamerad Hilde Jochsberger auf die Möglichkeit aufmerksam, durch die Aufnahme am Musikkonservatorium im Mandatsgebiet Palästina den nationalsozialistischen Diskriminierungen in Deutschland zu entkommen. Jochsberger konnte den Konservatoriumsleiter Emil Hauser in einem in Berlin stattfindenden Vorspiel überzeugen, und nachdem sie zwecks Vorbereitung auf Palästina kurze Zeit in Breslau Hebräisch lernte und auch, um einen praktischen Beruf zum Broterwerb zu haben, dort für drei Monate noch eine Hauswirtschaftsschule besuchte, [8] fuhr sie Anfang 1939 über München nach Triest und von dort per Schiff nach Haifa und von dort nach Jerusalem. Ihre Eltern fühlten sich in Deutschland verwurzelt und weigerten sich sie nach Palästina zu begleiten. 1942 wurden sie in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.
  • In Israel studierte Hilde Jochsberger, die sich nun Tzipora Jochsberger nannte, an der Palestine Academy of Music sowie dem Music Teachers Seminary. [9] Nach Abschluss ihrer Musikstudien war sie von 1942 bis 1947 Lehrer am von den Briten betriebenen Arab Teachers College in Jerusalem. 1946 wurde sie von den Briten gebeten, eine Musiklehrplan für alle arabischen Schulen auszuarbeiten. Diese Aufgabe weckte nebenbei auch ihr Interesse für Volksmusik. Von 1944 bis 1947 lehrte sie zusätzlich Klavier und Flöte und leitete einen Kinderchor. Dabei entwickelte sie eine Methode um jüdische Volksmusik an einem authentischen israelischen Instrument, der Flöte halil, zu vermitteln. [10]

...

  • 1986 kehrte Jochsberger nach Israel zurück. Dort komponierte sie Musik nach jüdischen Quellen, dem Gebetsbuch Siddur, dem Tanach und nach moderner hebräischer Dichtung. Außerdem hat sie einige Gedichte von Edgar Allan Poe für Gesangsstimme und Klavier vertont. In Israel hat sie das Israel Music Heritage Project gegründet. Mit diesem wurden u.a. Musikvideos produziert, welche den verschiedenen ethnischen Gruppen (eidot) des Landes die Musik der anderen Gruppen näher bringen sollen. Die Videobibliothek umfasst u.a. Musik des jüdischen Renaissancekomponisten Salomon Rossi, der Chassidim, sephardischer und aschkhenasischer Juden, sowie der aus Marokko und dem Jemen stammenden Juden. [11] Tzipora Jochsberger sieht ihre Lebensaufgabe, jüdische Menschen mit ihrer musikalischen Tradition vertraut zu machen im Verlust ihrer Eltern und vieler anderer Menschen im Holocaust verankert, und meint dazu:
"Es wurden europäische Juden ermordet die nichts über die Schönheit des Judentums wussten. Das beschäftigte mich. Es könnte auch in den Vereinigten Staaten passieren. In den USA gab es Tausende von Juden, die nichts über das Judentum wussten. Es brodelte in mir. Wenn - der Himmel bewahre und davor - hier passieren würde, sollten sie zumindest die Schönheit ihrer Kultur kennen." [12]


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Die jüdische Hymne Ein Keloheinu in einem vierstimmigen Chorarrangement von Tzipora Jochsberger

Weblinks

Literatur

  • Hava N`halela: Tzipora Jochsberger and Her Vision for the Hebrew Arts School; in Carol K. Ingall: The Women who Reconstructed American Jewish Education 1910-l965, Brandeis University Press, 2010, Seite 188 bis 203

Video und Audio

Andere Wikis

  • Keine der verschiedenen Sprachversionen der Wikipedia verfügt über einen Personanartikel zu Tzipora Jochsberger. Lobenswert zu erwähnen ist, dass das Jewiki über einen eigenen Personenartikel zu dieser wichtigen jüdischen Musikwissenschaftlerin verfügt. [13]

Einzelnachweise

  1. www.jüdische-gemeinden.de
  2. Anm.: Nach den Erinnerungen von Tzipora Jochsberger waren es zehn oder zwölf jüdische Familien.
  3. Hava N`halela: Tzipora Jochsberger and Her Vision for the Hebrew Arts School; in Carol K. Ingall: The Women who Reconstructed American Jewish Education 1910-l965, Brandeis University Press, 2010, S. 190
  4. Interview von Joy Wouk mit Tzipora Jochsberger aus dem Jahr 1984 Tape 1 - 3
  5. Anm.: Bereits vor der Machtübernahme 1933 war der nationalsozialistische Einfluss in Leutershausen relativ groß und es waren erste Gewalttätigkeiten zu verzeichnen. So hieß es in einem Artikel der Zeitschrift Der Israelit vom 5. Februar 1931: "Der in Nürnberg erscheinende 'Stürmer' sah es besonders auf die Juden im fränkischen Städtchen Leutershausen ab. Die gegen sie losgelassenen schweren Beschimpfungen und Verleumdungen wurden in Massenauflagen in der Gegend verbreitet und in jedes Haus bis zum letzten Dorfe getragen, so daß sich die Juden der Ortschaft kaum noch hinaustrauten. Die Juden erhoben Anklage, und der Redakteur Holz wurde vom Amtsgericht zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. ..." (nach www.jüdische-gemeinden.de
  6. Zitiert nach Alexander von Papp: Ihr Leben gehörte der Musik - Zum Tode von Tzipora (Hilde) Jochsberger auf www.alemannia-judaica.de
  7. Interview von Joy Wouk mit Tzipora Jochsberger aus dem Jahr 1984, Tape 1 - 1
  8. Interview von Joy Wouk mit Tzipora Jochsberger aus dem Jahr 1984 Tape 1 - 17
  9. Alexander von Papp: Ihr Leben gehörte der Musik - Zum Tode von Tzipora (Hilde) Jochsberger auf www.alemannia-judaica.de
  10. Hava N`halela: Tzipora Jochsberger and Her Vision for the Hebrew Arts School; in Carol K. Ingall: The Women who Reconstructed American Jewish Education 1910-l965, Brandeis University Press, 2010, S. 110
  11. Hava N`halela: Tzipora Jochsberger and Her Vision for the Hebrew Arts School; in Carol K. Ingall: The Women who Reconstructed American Jewish Education 1910-l965, Brandeis University Press, 2010, S. 194
  12. Eigene Übersetzung nach Hava N`halela: Tzipora Jochsberger and Her Vision for the Hebrew Arts School; in Carol K. Ingall: The Women who Reconstructed American Jewish Education 1910-l965, Brandeis University Press, 2010, S. 195
  13. Personenartikel über Tzipora Jochsberger im Jewiki

Hinweis zur Verwendung

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