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Deutsche Leitkultur: Unterschied zwischen den Versionen

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Der Begriff '''Deutsche Leitkultur''' ist eine neue Wortschöpfung, die den traditionellen Begriff ''Deutsche Kultur'' teilweise ersetzt. Der Politikwissenschaftler [[Bassam Tibi]] nahm maßgeblichen Einfluss auf das Begriffsverständnis von [[Leitkultur]]. Er distanzierte sich jedoch vom Begriff einer ''Deutschen Leitkultur'':  {{"|Ich habe immer betont, dass es gefährlich ist, von einer deutschen Leitkultur zu sprechen.|Quelle=Yassin Musharbash: [http://www.spiegel.de/politik/deutschland/interview-mit-dem-politologen-tibi-wir-brauchen-eine-europaeische-leitkultur-a-329233.html Interview mit dem Politologen Tibi: „Wir brauchen eine europäische Leitkultur“] – [[Der Spiegel]] online, 23. November 2004|ref=ja}} Relevant wurde der Begriff in der politischen Diskussion seit [[1998]] zunächst von [[konservativ]]er Seite.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Leitkultur#%E2%80%9EDeutsche_Leitkultur%E2%80%9C_in_der_politischen_Diskussion „Deutsche Leitkultur“ in der politischen Diskussion] bei [[Wikipedia]]</ref> Hintergrund ist die Entwicklung einer Gegenposition zu dem Konstrukt einer „multikulturellen Gesellschaft“, das inzwischen in vielen Ländern als gescheitert gilt. Im Jahre 2000 wurde der Begriff von der Redaktion des Wörterbuchverlages PONS zum „Unwort des Jahres“ gewählt.
Der Begriff '''Deutsche Leitkultur''' ist eine neue Wortschöpfung, die den traditionellen Begriff ''Deutsche Kultur'' teilweise ersetzt. Der Politikwissenschaftler [[Bassam Tibi]] nahm maßgeblichen Einfluss auf das Begriffsverständnis von [[Leitkultur]]. Er distanzierte sich jedoch vom Begriff einer ''Deutschen Leitkultur'':  {{"|Ich habe immer betont, dass es gefährlich ist, von einer deutschen Leitkultur zu sprechen.|Quelle=Yassin Musharbash: [http://www.spiegel.de/politik/deutschland/interview-mit-dem-politologen-tibi-wir-brauchen-eine-europaeische-leitkultur-a-329233.html Interview mit dem Politologen Tibi: „Wir brauchen eine europäische Leitkultur“] – [[Der Spiegel]] online, 23. November 2004|ref=ja}} Relevant wurde der Begriff in der politischen Diskussion seit [[1998]] zunächst von [[konservativ]]er Seite.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Leitkultur#%E2%80%9EDeutsche_Leitkultur%E2%80%9C_in_der_politischen_Diskussion „Deutsche Leitkultur“ in der politischen Diskussion] bei [[Wikipedia]]</ref>  


== Begriffsgeschichte ==
Hintergrund des Begriff ist die Entwicklung einer Gegenposition zu dem Konstrukt einer [[Multikulti|multikulturellen Gesellschaft]], das inzwischen in vielen Ländern als gescheitert gilt. Im Jahre [[2000]] wurde der Begriff von der Redaktion des Wörterbuchverlages PONS zum „Unwort des Jahres“ gewählt, nachdem ihn [[Friedrich Merz]] in einer Rede benutzt hatte.


== Sarkastische Verwendung ==
Der deutsche Innenminister [[Thomas de Maizière]] schrieb 2007 einen Gastbeitrag, der in [[Die Zeit|ZEIT Online]] nachzulesen ist.<ref>https://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/thomas-demaiziere-innenminister-leitkultur</ref> Er stellte einen Katalog mit zehn Punkten auf. So betont er: „Wir legen Wert auf einige soziale Gewohnheiten, nicht weil sie Inhalt, sondern weil sie Ausdruck einer bestimmten Haltung sind: Wir sagen unseren Namen. Wir geben uns zur Begrüßung die Hand.“ Damit nennt er einige Beispiele, um den Unterschied zu Gewohnheiten in anderen [[Kultur]]en deutlich zu machen.
Ähnlich wie [[Kulturbereicherung]], [[Teddywerfer]], [[Bahnhofklatscher]], [[Goldstück]] kann der Begriff "Deutsche Leitkultur" auch sarkastisch verwendet werden. Gedacht ist "Deutsche Leitkultur" als etewas Herorisches. Tatsächlich gehören auch Verbrechen durch Deutsche zur Deutschen Kultur. Auch [[Adolf Hitler]] und seine heutige Bewunderer von der [[Nazi]]-Partei [[AfD]] gehören zur deutschen Klutur.


[[Sascha Kodytek]] schreibt in "Die deutsche Leitkultur - ein nationalistisches Märchen":
Der CDU-Politiker [[Jens Spahn]] forderte im Februar 2018, dass an [[Schule]]n im Unterricht eine deutsche Leitkultur vermittelt werden soll. Dabei gehe es um „Anstand, Werte, Tugenden“.<ref>[http://www.schwaebische-post.de/1647792/ Jens Spahn fordert eine Leitkultur im Unterricht]</ref>
: Deutschland, in dem vor nicht langer Zeit die Vergewaltigung in der Ehe, der Schwulenparagraph oder das Arbeitsverbot für Frauen grundgesetzkompatibel waren.<ref>[https://www.gemeinsinn-stärken.de/blog/2017/9/9/die-deutsche-leitkultur-eine-todgeburt Die deutsche Leitkultur - ein nationalistisches Märchen]</ref>


== Links und Quellen ==
== Kritik ==
=== Siehe auch ===
[[Jürgen Habermas]], ein Vertreter der Ideologie der linken [[Frankfurter Schule]], erklärte 2017, die Propagierung einer deutschen Leitkultur sei unvereinbar mit einer liberalen Auslegung des Grundgesetzes,<ref>{{Internetquelle|url=http://www.rp-online.de/politik/deutschland/leitkultur-das-sagt-juergen-habermas-zur-debatte-aid-1.6793232|titel=„Keine Muslima muss Herrn de Maizière die Hand geben“|hrsg=Rheinische Post|datum=2017-05-03|zugriff=2017-05-15}} Zitiert nach: {{Internetquelle|url=https://www.welt.de/politik/deutschland/article164195858/Keine-Muslima-noetigen-de-Maiziere-die-Hand-zu-geben.html|titel=„Keine Muslima nötigen, de Maizière die Hand zu geben“|hrsg=Welt N24|datum=2017-05-03|zugriff=2017-05-15}}</ref> und bezog sich dabei ausdrücklich auf die Veröffentlichung von Thomas de Maizière.
=== Weblinks ===


==== Bilder / Fotos ====
== Sarkastische Verwendung ==
==== Videos ====
Ähnlich wie [[Kulturbereicherung]], [[Teddywerfer]] und [[Bahnhofklatscher]] kann der Begriff ''Deutsche Leitkultur'' auch [[Sarkasmus|sarkastisch]] verwendet werden. [[Sascha Kodytek]], Abgeordneter des Jugendparlaments in [[Leipzig]] nennt als in seinem [[Blog]]: „Silvesternacht in Köln – bigottes Aufheulen bei arabischen Nafri-Grapschern in einem Deutschland, in dem vor nicht langer Zeit die Vergewaltigung in der Ehe, der Schwulenparagraph oder das Arbeitsverbot für Frauen grundgesetzkompatibel waren“.<ref>[https://www.gemeinsinn-stärken.de/blog/2017/9/9/die-deutsche-leitkultur-eine-todgeburt Die deutsche Leitkultur - ein nationalistisches Märchen]</ref> Er bezieht sich dabei wie viele andere [[Politische Linke|linke Politiker]] auf [[Sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16]], die vor allem in [[Köln]] stattfanden.
=== Quellen ===
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=== Einzelnachweise ===
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== Weblinks ==
* [https://www.bento.de/haha/deutsche-leitkultur-100-punkte-die-thomas-de-maiziere-vergessen-hat-a-00000000-0003-0001-0000-000001341047 100 Punkte, die Thomas de Maizière in seiner Leitkultur vergessen hat] - Bento
* [https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.bundestagswahl-die-deutsche-leitkultur-findet-wenig-zuspruch.e038963b-29b8-4743-b5a2-d5410e6bd43a.html Die deutsche Leitkultur findet wenig Zuspruch]
== Literatur ==
* [[Norbert Lammert]]: ''Verfassung, Patriotismus, Leitkultur. Was unsere Gesellschaft zusammenhält.'' ISBN 3455500056
* [[Olaf Zimmermann]] und [[Theo Geißler]] (Hrsg.): ''Wertedebatte: Von Leitkultur bis kulturelle Integration.'' Deutscher Kulturrat, Berlin 2018, ISBN 978-3-947308-06-4.


== Einzelnachweise ==
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Aktuelle Version vom 5. Mai 2024, 10:59 Uhr

Der Begriff Deutsche Leitkultur ist eine neue Wortschöpfung, die den traditionellen Begriff Deutsche Kultur teilweise ersetzt. Der Politikwissenschaftler Bassam Tibi nahm maßgeblichen Einfluss auf das Begriffsverständnis von Leitkultur. Er distanzierte sich jedoch vom Begriff einer Deutschen Leitkultur: „Ich habe immer betont, dass es gefährlich ist, von einer deutschen Leitkultur zu sprechen.“[1] Relevant wurde der Begriff in der politischen Diskussion seit 1998 zunächst von konservativer Seite.[2]

Begriffsgeschichte

Hintergrund des Begriff ist die Entwicklung einer Gegenposition zu dem Konstrukt einer multikulturellen Gesellschaft, das inzwischen in vielen Ländern als gescheitert gilt. Im Jahre 2000 wurde der Begriff von der Redaktion des Wörterbuchverlages PONS zum „Unwort des Jahres“ gewählt, nachdem ihn Friedrich Merz in einer Rede benutzt hatte.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière schrieb 2007 einen Gastbeitrag, der in ZEIT Online nachzulesen ist.[3] Er stellte einen Katalog mit zehn Punkten auf. So betont er: „Wir legen Wert auf einige soziale Gewohnheiten, nicht weil sie Inhalt, sondern weil sie Ausdruck einer bestimmten Haltung sind: Wir sagen unseren Namen. Wir geben uns zur Begrüßung die Hand.“ Damit nennt er einige Beispiele, um den Unterschied zu Gewohnheiten in anderen Kulturen deutlich zu machen.

Der CDU-Politiker Jens Spahn forderte im Februar 2018, dass an Schulen im Unterricht eine deutsche Leitkultur vermittelt werden soll. Dabei gehe es um „Anstand, Werte, Tugenden“.[4]

Kritik

Jürgen Habermas, ein Vertreter der Ideologie der linken Frankfurter Schule, erklärte 2017, die Propagierung einer deutschen Leitkultur sei unvereinbar mit einer liberalen Auslegung des Grundgesetzes,[5] und bezog sich dabei ausdrücklich auf die Veröffentlichung von Thomas de Maizière.

Sarkastische Verwendung

Ähnlich wie Kulturbereicherung, Teddywerfer und Bahnhofklatscher kann der Begriff Deutsche Leitkultur auch sarkastisch verwendet werden. Sascha Kodytek, Abgeordneter des Jugendparlaments in Leipzig nennt als in seinem Blog: „Silvesternacht in Köln – bigottes Aufheulen bei arabischen Nafri-Grapschern in einem Deutschland, in dem vor nicht langer Zeit die Vergewaltigung in der Ehe, der Schwulenparagraph oder das Arbeitsverbot für Frauen grundgesetzkompatibel waren“.[6] Er bezieht sich dabei wie viele andere linke Politiker auf Sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16, die vor allem in Köln stattfanden.

Weblinks

Literatur

  • Norbert Lammert: Verfassung, Patriotismus, Leitkultur. Was unsere Gesellschaft zusammenhält. ISBN 3455500056
  • Olaf Zimmermann und Theo Geißler (Hrsg.): Wertedebatte: Von Leitkultur bis kulturelle Integration. Deutscher Kulturrat, Berlin 2018, ISBN 978-3-947308-06-4.

Einzelnachweise

Andere Lexika