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Raetischer Limes
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Der Raetische Limes ist ein Teil des Obergermanisch-Raetischen Limes (ORL), einem 550 Kilometer langen Abschnitt der ehemaligen Außengrenze des Römischen Reichs. Er beginnt am Kleinkastell Freimühle bei Schwäbisch Gmünd im Osten Baden-Württembergs und endet am Kastell Unterfeld bei Neustadt an der Donau im niederbayerischen Landkreis Kelheim. Bekannte und teilweise noch erhaltene Bauwerke sind das Limestor Dalkingen und das Kastell Theilenhofen. Mit dem Bau dieser Anlage wurde etwa um 80 n. Chr. begonnen, erforscht und dokumentiert wurde sie erstmalig von der Reichs-Limes-Kommission mit der Streckennummerierung ORL 64–75.
Numismatische und dendrochronologische Untersuchungen legen nahe, dass dieser Teil des Limes bald nach 254 n. Chr., während der Regierungszeit des Kaisers Valerian (253–260), wieder aufgegeben wurde.[1]
Limesverlauf
Die Kleinkastelle Kleindeinbach und Freimühle wurden erst später entdeckt. Kleindeinbach wurde in Verbindung mit dem rund 45 Meter nördlich entlanglaufenden Rätischen Limes errichtet:
| ORL | Name/Ort | Beschreibung/Zustand |
|---|---|---|
| Wp 12/21 | Turmstelle nicht sichtbar.[A 1] | |
| Wp 12/22 | Kleinkastell Kleindeinbach | siehe oben |
| Provinzgrenze | ||
| Rotenbacher Talgrund | ||
| KK[A 2] | Kleinkastell Freimühle | [A 3] |
Nördlich des Kastells Rainau-Buch (ORL 67) verläuft der Limes zwischen den Wachtürmen Wp 12/77[4] bis 12/79 in nordnordöstliche Richtung, passiert unmittelbar hinter dem Wp 2/80 die Jagst und knickt dort nach Osten ein. Diese Richtung behält er bis zum Wp 12/84, bei dem er erneut seinen Verlauf ändert, um im Folgenden bis zum Kastell Halheim bzw. dem Wachturm Wp 12/103 in nordöstliche Richtung zu ziehen. Vom Wp 12/77 (mit 487 m ü. NN) bis zum Wp 12/103 (mit 531 m ü. NN) steigt er insgesamt um rund 44 Höhenmeter an, wobei er in der Jagstsenke mit 438 m ü. NN seine tiefsten und auf der Halheimer Heide bei Wp 12/101 mit 531,2 m ü. NN seinen höchsten Punkt erreicht. Bis auf wenige Ausnahmen, bei denen er besiedeltes Gebiet durchquert (Dalkingen, Röhlingen, Pfahlheim und Halheim), verläuft er in diesem Abschnitt überwiegend auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.
| ORL | Name/Ort | Beschreibung/Zustand |
|---|---|---|
| Wp 12/77[4] | Mahdholz |
|
| Wp 12/78 und Wp 12/79 | Zwei vermutete, aber nicht archäologisch nachgewiesene Turmstellen.[12] | |
| Wp 12/80 | Turmstelle[13] nicht sichtbar. | |
| Wp 12/81 | Der ursprüngliche Wachturm[14] wurde später durch das Limestor Dalkingen ersetzt. Insgesamt konnte die Forschung bei Wp 12/81 fünf Bauphasen dokumentieren. In seiner letzten Ausbaustufe stand dort ein einzigartiges triumphbogenartiges Tor. Außerdem konnten wichtige Erkenntnisse zum rätischen Limes allgemein gesammelt werden. Das Limestor, ein Bauwerk mit Wachräumen, kontrollierte den Grenzverkehr zwischen dem römischen Reich und dem freien Germanien. Von dort bis Dalkingen wird der Limesverlauf als Hecke veranschaulicht. | |
| Wp 12/82 bis Wp 12/83 | Drei Turmstellen werden vermutet, sind aber nicht archäologisch nachgewiesen.[15] Im Bereich von Dalkingen ist der Limesverlauf nicht sicher geklärt. | |
| Wp 12/84 | Hart | |
| Wp 12/85 | Rot | Nicht mehr sichtbare Turmstelle[17] eines Steinturms 3,60 Meter hinter der Limesmauer. Zur Zeit der Untersuchungen durch den Limesforscher Heinrich Steimle (1846–1907) war nur noch die Nordecke des Turms gut erhalten. Die Stärke seiner in opus spicatum ausgeführten Mauer betrug an der Frontseite 68, an der Ostseite 76 Zentimeter. |
| Wp 12/86 | Oberhartbühl | Nicht sichtbare Turmstelle.[18] |
| Wp 12/87 bis Wp 12/97 | Insgesamt elf vermutete, aber nicht archäologisch nachgewiesene Turmstellen.[19] | |
| Wp 12/98 | Pfahlheim | Im Bereich der vermuteten Turmstelle[20] wurde ein Stück der Limesmauer konserviert.[21] |
| Wp 12/99 und Wp 12/100 | Zwei vermutete, aber nicht archäologisch nachgewiesene Turmstellen[22] | |
| Wp 12/101 | Nicht mehr sichtbare Stelle eines Holz-[23] und eines Steinturms.[24] Die Türme lagen im Bereich des heutigen trigonometrischen Punktes 531,2.[25] Heute befindet sich hier ein Hinweisstein.[26] | |
| Wp 12/102 | Vermutete, aber nicht archäologisch nachgewiesene Turmstelle.[27] | |
| Wp 12/103 | Krautgarten | Der Steinturm war nachträglich in die Limesmauer eingebunden worden.[28] Heute ist hier nichts mehr zu sehen.[29] |
| ORL 67a | Buschelacker | [30] |
Der Limesverlauf ab dem Kastell Gunzenhausen bis zum Kleinkastell am Hinteren Schloßbuck stellt sich wie folgt dar:
| ORL | Name/Ort | Beschreibung/Zustand |
|---|---|---|
| Wp 14/1[A 4] | „An der Spitalstraße“ | Der rund 300 Meter nördlich des Kastells Gunzenhausen gelegene Wachturm liegt wie der Limes mitten im Stadtgebiet und ist nicht sichtbar.[A 5] Nachgrabungen konnten ein „Blockhaus“ – so nannte Eidam Holzwachtürme des Limes – sowie 40 m westlich unklare Steinturmreste ausmachen. |
| Wp 14/2 | „An der Hensoltstraße“ | Die Turmstelle[A 6] ist nicht mehr sichtbar. Die Limesmauer verlief unter der südlichen Häuserfront der Hensoltstraße, die bis dahin lediglich gemutmaßte Turmstelle wurde 1950 bei Bauarbeiten aufgedeckt.[31] Nach Wp 14/2 steigt der Limes den 485 m hohen „Vorderen Schloßbuck“ in den „Burgstallwald“ hinauf. |
| Wp 14/3 | „Am Vorderen Schloßbuck“ |
Die zu Zeiten der Reichs-Limes-Kommission noch sichtbaren Reste des Holz- und Steinturmhügels[A 7] sind heute vollständig abgetragen. Zwischen Wp 14/3 und Wp 14/4 war die Limesmauer im Verband teilweise nach Norden umgefallen und blieb daher im Erdreich vor späterem Steinraub weitgehend geschützt, erhalten. Dies erlaubte, die Mindesthöhe der Mauer in diese Bereich mit 2,6 m zu bestimmen. |
| Wp 14/4 | „Auf dem Vorderen Schloßbuck“ | Der 1980 vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nachuntersuchte, konservierte und teilrekonstruierte, mit 4,7 × 6,3 m ungewöhnlich große Turm[A 8] stand beherrschend auf dem Bergrücken und bot eine weite Fernsicht. Der Ringwall, auf dem Wp 14/4 liegt, stammt noch aus vorgeschichtlicher Zeit und ist somit wesentlich älter als noch von der älteren Forschung vermutet. Auffällig an dieser Anlage ist auch eine Zwischenmauer, die nachträglich im Turminneren gezogen wurde. Den Verlauf der älteren Holzpalisade hat man bei der Turmrestaurierung 1980 an dieser Stelle mit Holzstämmen angedeutet. Die Größe des Turmes könnte auf seine Doppelverwendung hindeuten, die mehr Personal benötigte, denn westlich von diesem Platz hat Eidam 1887, bei den ersten Grabungen an Wp 14/4, einen Limesdurchgang festgestellt, den es sowohl zu Zeiten der Eichenholzpalisade als auch bei der späteren Steinmauer gegeben hat. 2007 wurde diese Turmstelle erneut saniert und die inzwischen morsche Eichenholzpalisade erneuert. Westlich von Wp 14/4 steht ein 1901 errichtetes Bismarckdenkmal auf dem die Inschrift verkündet er sei „aus Steinblöcken einer alamannischen Ringmauer und aus Steinen der Römermauer“ errichtet worden. Um Sichtverbindung mit Wp 14/5 zu haben, muss dieser Turm mindestens fünf Meter hoch gewesen sein. |
| Wp 14/5 | „Am Ostabhang des Vorderen Schloßbuck“ | Dieser 5,5 × 7,4 m große Turm[A 9] wurde nur 65 m von Wp 14/4 entfernt errichtet und liegt am Osthang des Bergrückens. Auch bei ihm fand 1980 die Nachuntersuchung und anschließende Teilrekonstruktion mit Konservierung statt. Dabei wurde eine fehlerhafte Aufnahme des 1887 erstmals durch Eidam ergrabenen Bauwerks ins ORL festgestellt, da der Turm nachträglich und ziemlich schiefwinkelig in die bereits bestehende Limesmauer gebaut worden ist, wobei die Grenzmauer teilweise abgetragen werden musste. Westlich des Turms fand sich in der Palisade, jedoch nicht in der Steinmauer des Limes, ebenfalls ein Durchgang. Das Fundament eines kleinen, westlich gelegenen quadratischen Baus ist nicht mehr zu sehen. 2007 wurde das Turmfundament vollständig saniert. Auf der nun folgenden, rund 500 m langen Strecke ist die Mauer nur in geringen Resten sichtbar; erst danach tritt sie als Schuttwall wieder deutlicher hervor. 15 m südlich der Mauer liegt nun das Kleinkastell Hinterer Schloßbuck. Um Sichtverbindung mit Wp 14/4 zu haben, muss dieser Turm mindestens fünf Meter hoch gewesen sein. |
| KK[A 10] | Kleinkastell am Hinteren Schloßbuck | [A 11] |
Andere Lexika
Wikipedia kennt dieses Lemma (Raetischer Limes) vermutlich nicht.
- ↑ Thomas Fischer, Erika Riedmeier-Fischer: Der römische Limes in Bayern. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S. 41; Marcus Reuter: Das Ende des raetischen Limes im Jahr 254 n. Chr. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. Band 72, 2007, S. 77–149.
- ↑ Ernst Hollstein: Mitteleuropäische Eichenchronologie. von Zabern, Mainz 1980. ISBN 3805300964. S. 115; Philipp Filtzinger (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Auflage. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 488.
- ↑ Hans Ulrich Nuber: Schwäbisch Gmünd in frühgeschichtlicher Zeit. In: Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-8062-0399-7. S. 32.
- ↑ 4,0 4,1 Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm.
- ↑ Bei 48° 54′ 57,97″ N, 10° 7′ 51,61″ O.
- ↑ Ernst Hollstein: Mitteleuropäische Eichenchronologie. von Zabern, Mainz 1980. ISBN 3805300964. S. 115; Philipp Filtzinger (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Auflage. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 488.
- ↑ Dieter Planck: Neue Ausgrabungen am Limes. Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands (Schriften des Limesmuseums Aalen) 12, Gentner, Stuttgart 1975, S. 18.
- ↑ [ (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: mementoweb.org, archive.org) Pressemitteilung des Ostabkreises] abgerufen am 20. Juli 2009.
- ↑ Holzturmrekonstruktion bei 48° 54′ 56,86″ N, 10° 7′ 50,78″ O.
- ↑ Egon Schallmayer: Der Odenwaldlimes. Theiss, Stuttgart 1984, ISBN 3-8062-0328-8, S. 33ff., Abb. S. 31.
- ↑ Dietwulf Baatz: Die Wachttürme am Limes. Aalener Schriften 15, Stuttgart 1976; Günter Ulbert, Thomas Fischer: Der Limes in Bayern. Theiss, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0351-2, S. 38.
- ↑ Wp 10/78 ungefähr bei 48° 55′ 19,99″ N, 10° 8′ 23,5″ O und Wp 10/79 ungefähr bei 48° 55′ 34,34″ N, 10° 8′ 29,43″ O.
- ↑ Bei 48° 55′ 38,46″ N, 10° 8′ 41,07″ O.
- ↑ Bei 48° 55′ 36,93″ N, 10° 9′ 20,58″ O.
- ↑ Wp 10/82 ungefähr bei 48° 55′ 26,57″ N, 10° 9′ 56,45″ O, Wp 10/82a ungefähr bei 48° 55′ 25,97″ N, 10° 10′ 14,37″ O und Wp 10/83 ungefähr bei 48° 55′ 29,2″ N, 10° 10′ 33,65″ O.
- ↑ Bei 48° 55′ 29,07″ N, 10° 10′ 56,64″ O.
- ↑ Bei 48° 55′ 42,88″ N, 10° 11′ 22,61″ O.
- ↑ Bei 48° 55′ 56,31″ N, 10° 11′ 47,99″ O.
- ↑ Wp 12/87 ungefähr bei 48° 56′ 4,88″ N, 10° 12′ 4,21″ O, Wp 12/88 ungefähr bei 48° 56′ 17,23″ N, 10° 12′ 27,51″ O, Wp 12/89 ungefähr bei 48° 56′ 17,23″ N, 10° 12′ 27,51″ O, Wp 12/90 ungefähr bei 48° 56′ 34,88″ N, 10° 13′ 1,11″ O, Wp 12/91 ungefähr bei 48° 56′ 59,56″ N, 10° 13′ 48,2″ O, Wp 12/92 ungefähr bei 48° 56′ 59,56″ N, 10° 13′ 48,2″ O, Wp 12/93 ungefähr bei 48° 57′ 9,28″ N, 10° 14′ 6,28″ O, Wp 12/94 ungefähr bei 48° 57′ 22,29″ N, 10° 14′ 30,3″ O, Wp 12/95 ungefähr bei 48° 57′ 29,12″ N, 10° 14′ 43″ O, Wp 12/96 ungefähr bei 48° 57′ 35,69″ N, 10° 14′ 55,21″ O und Wp 12/97 ungefähr bei 48° 57′ 43,56″ N, 10° 15′ 9,47″ O.
- ↑ Wp 12/98 bei 48° 57′ 54,03″ N, 10° 15′ 28,81″ O.
- ↑ Dieter Planck: Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Theiss, Stuttgart 2005. ISBN 978-3-8062-1555-7, S. 200.
- ↑ Wp 12/99 ungefähr bei 48° 58′ 4,49″ N, 10° 15′ 49,23″ O, Wp 12/100 ungefähr bei 48° 58′ 12,54″ N, 10° 16′ 4,73″ O.
- ↑ Wp 12/101 (Holzturm) bei 48° 58′ 20,42″ N, 10° 16′ 18,94″ O.
- ↑ Wp 12/101 (Steinturm) bei 48° 58′ 20,67″ N, 10° 16′ 19,64″ O.
- ↑ Dieter Planck, Willi Beck: Der Limes in Südwestdeutschland. 2. völlig neubearbeitete Auflage, Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0496-9, S. 140.
- ↑ Dietwulf Baatz: Der Römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau. 4. Auflage. Gebr. Mann, Berlin 1993, ISBN 3-7861-1701-2, S. 266.
- ↑ Wp 12/102 ungefähr bei 48° 58′ 35,47″ N, 10° 16′ 36,39″ O.
- ↑ Wilhelm Schleiermacher: Der römische Limes in Deutschland. Ein archäologischer Wegweiser für Autoreisen und Wanderungen. Mann, Berlin 1967, S. 170.
- ↑ Wp 12/103 bei 48° 58′ 47,05″ N, 10° 16′ 49,03″ O.
- ↑ Kastell Halheim bei 48° 58′ 59,5″ N, 10° 17′ 8,5″ O.
- ↑ Wilhelm Schleiermacher: Der römische Limes in Deutschland. Ein archäologischer Wegweiser für Autoreisen und Wanderungen. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1967. S. 180.
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