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Afrikanische Beutekunst: Unterschied zwischen den Versionen
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* Eines der beschämendsten Beispiele für Kunstraub in Afrika ist die berühmte französische Expedition zwischen [[1931]] und [[1933]] von [[Dakar]] nach [[Djibouti]] unter der Leitung von [[Marcel Griaule]]. <ref>Eva-Maria Bruchhaus und Leonhard Harding: ''Hundert Jahre Einmischung in Afrika / 1884-1984'', Buske Helmut Verlag GmbH, 1986, S. 194</ref> | * Eines der beschämendsten Beispiele für Kunstraub in Afrika ist die berühmte französische Expedition zwischen [[1931]] und [[1933]] von [[Dakar]] nach [[Djibouti]] unter der Leitung von [[Marcel Griaule]]. <ref>Eva-Maria Bruchhaus und Leonhard Harding: ''Hundert Jahre Einmischung in Afrika / 1884-1984'', Buske Helmut Verlag GmbH, 1986, S. 194</ref> | ||
* Vielfach verbarg sich der egoistische Kunstraub durch Europäer auch unter dem wissenschaftlichen und vorgeblich uneigennützigem Deckmantel archäologischer Forschung. <ref>Neil Brodie und Kathryn Walker Tubb: ''Illicit Antiquities - The Theft of Culture and the Extinction of Archaeology'', Routledge, 2002</ref> | * Vielfach verbarg sich der egoistische Kunstraub durch Europäer auch unter dem wissenschaftlichen und vorgeblich uneigennützigem Deckmantel archäologischer Forschung. <ref>Neil Brodie und Kathryn Walker Tubb: ''Illicit Antiquities - The Theft of Culture and the Extinction of Archaeology'', Routledge, 2002</ref> | ||
* Auch heute noch werden viele Kunstwerke aus Afrika gestohlen und illegal an reiche europäische oder US-amerikanische Sammler verkauft. | * Auch heute noch werden viele Kunstwerke aus Afrika gestohlen und illegal an reiche europäische oder US-amerikanische Sammler verkauft. <ref>Sidney Littlefield Kasfir: ''African art and the colonial encounter'', Indiana University Press, 2007, S. 49, 89 und 226 ff.</ref> | ||
* Man fragt sich, warum es kaum eine öffentliche Diskussion zu diesen Verbrechen gibt. Ein großangelegtes Projekt zur Rückgabe der gestohlenen Kunstwerke gibt es nicht. | * Man fragt sich, warum es kaum eine öffentliche Diskussion zu diesen Verbrechen gibt. Ein großangelegtes Projekt zur Rückgabe der gestohlenen Kunstwerke gibt es nicht. | ||
* In Bezug auf die Enteignung [[Judentum|jüdischer]] Kunstsammlungen (siehe den Hype um die ''Gurlitt-Sammlung'') oder NS-Beutekunst wird jedes Detail medial extrem hochgespielt und im deutschen Fernsehen ausführlich durchdiskutiert. Das Themenfeld der den Afrikanern gestohlenen Kunstwerke interessiert dagegen kaum jemand, und findet in den Medien nicht statt. Dafür sind verschiedene Faktoren ausschlaggebend: | * In Bezug auf die Enteignung [[Judentum|jüdischer]] Kunstsammlungen (siehe den Hype um die ''Gurlitt-Sammlung'') oder NS-Beutekunst wird jedes Detail medial extrem hochgespielt und im deutschen Fernsehen ausführlich durchdiskutiert. Das Themenfeld der den Afrikanern gestohlenen Kunstwerke interessiert dagegen kaum jemand, und findet in den Medien nicht statt. Dafür sind verschiedene Faktoren ausschlaggebend: | ||
Version vom 2. Januar 2014, 13:57 Uhr
Als Afrikanische Beutekunst bezeichnet man die Kunstschätze, die von Europäern den Afrikanern im Laufe von mehreren Jahrhunderten gestohlen wurden.
Details
- Ab Ende des 15. Jahrhunderts wurde Afrika zunehmend von europäischen Mächten dominiert.
- Die schlimmste Knechtung des Kontinents durch Europa begann aber erst im 19. Jahrhundert.
- Im diesem Rahmen stahlen die Kolonialmächte auch viele Kunstwerke aus Afrika.
- Wahlweise beschwatzte man lokale Herscher und tauschte wertvolle Kunstgegenstände gegen nutzlosen und wertlosen europäischen Tand. In anderen Fällen stahl man die Kunstgegenstände einfach.
- So landeten sehr viele, teilweise extrem wertvolle Kunstgegenstände in europäischen Mussen oder bei Privatleuten aus Europa und den USA.
- Der Diebstahl begann mit der Plünderung altägyptischer Kunstwerke durch die Franzosen und Briten in Ägypten. Einige gestohlene altägyptische Kunstwerke befinden sich heute auch in Berliner Museen. [1]
- Ein weiteres Beispiel für Kunstraub in Afrika sind die im Jahr 1884 vom damaligen Gouverneur Maximilian Buchner gestohlenen wertvollen Kunstgegenstände aus Kamerun. [2]
- Auch der Bronzekopf von Ife wurde von Briten im Jahr 1938 gestohlen.
- Eines der beschämendsten Beispiele für Kunstraub in Afrika ist die berühmte französische Expedition zwischen 1931 und 1933 von Dakar nach Djibouti unter der Leitung von Marcel Griaule. [3]
- Vielfach verbarg sich der egoistische Kunstraub durch Europäer auch unter dem wissenschaftlichen und vorgeblich uneigennützigem Deckmantel archäologischer Forschung. [4]
- Auch heute noch werden viele Kunstwerke aus Afrika gestohlen und illegal an reiche europäische oder US-amerikanische Sammler verkauft. [5]
- Man fragt sich, warum es kaum eine öffentliche Diskussion zu diesen Verbrechen gibt. Ein großangelegtes Projekt zur Rückgabe der gestohlenen Kunstwerke gibt es nicht.
- In Bezug auf die Enteignung jüdischer Kunstsammlungen (siehe den Hype um die Gurlitt-Sammlung) oder NS-Beutekunst wird jedes Detail medial extrem hochgespielt und im deutschen Fernsehen ausführlich durchdiskutiert. Das Themenfeld der den Afrikanern gestohlenen Kunstwerke interessiert dagegen kaum jemand, und findet in den Medien nicht statt. Dafür sind verschiedene Faktoren ausschlaggebend:
- Die Afrikaner sind nicht so gut organisiert wie die Juden in Israel und den USA. Sie haben keine starke Lobby wie die Juden.
- Außerdem konnten sich die Afrikaner nicht so gut als medial anerkannte Opfergruppe hochstilisieren wie die Juden.
- Afrika und seine Probleme liegen generell am Rande des medialen Interesses.
- Ein vierter Grund ist, dass in Bezug auf Afrikanische Beutekunst eher Länder wie Großbritannien, Frankreich oder Portugal und nicht die Deutschen die Täter sind. Dies widerspricht dem weltweit beliebten Schemata, dass die Deutschen immer die Täter und die "Bösen" sind.
- Ein erschreckendes Beispiel für diese europazentrierte und linkslastige sowie deutschfeindliche Darstellung des Themas ist der deuschsprachige Zweig der Wikipedia. Im Artikel "Beutekunst" der Wikipedia wird fast nur Kunstraub durch Deutsche im Zweiten Weltkrieg abgehandelt. Der Kunstraub in Afrika wird im Artikel mit keinem einzigen Wort thematisiert. Einen eigenen Artikel "Afrikanische Beutekunst" gibt es in der Wikipedia auch nicht. [6]
- In jüngster Zeit wird, wie beim Bau des Humboldt-Forums in Berlin, vereinzelt Kritik an der Ausstellung von Beutekunst aus Afrika geübt. Dies allerdings nur in Bezug auf Deutschland. Andere Länder, wie bsp. Großbritannien oder Frankreich, wagt in Deutschland niemand wegen dem Diebstahl von Kunstwerken in die Kritik zu nehmen. [7] In anderen Ländern existiert eine kritische Diskussion um Afrikanische Beutekunst praktisch nicht.
Links und Quellen
Siehe auch
Weblinks
Bilder / Fotos
Videos
Quellen
Literatur
- Neil Brodie und Kathryn Walker Tubb: Illicit Antiquities - The Theft of Culture and the Extinction of Archaeology, Routledge, 2002
- Monica B. Visona, Robin Poynor, Herbert M. Cole und Preston Biler: A History of Art in Africa, Pearson, 2007
- Sidney Littlefield Kasfir: African art and the colonial encounter, Indiana University Press, 2007
Einzelnachweise
- ↑ Kulturerbe des Kolonialismus - Wie es nach Deutschland kam und wie man heute damit umgeht
- ↑ Infos auf www.africavenir.org
- ↑ Eva-Maria Bruchhaus und Leonhard Harding: Hundert Jahre Einmischung in Afrika / 1884-1984, Buske Helmut Verlag GmbH, 1986, S. 194
- ↑ Neil Brodie und Kathryn Walker Tubb: Illicit Antiquities - The Theft of Culture and the Extinction of Archaeology, Routledge, 2002
- ↑ Sidney Littlefield Kasfir: African art and the colonial encounter, Indiana University Press, 2007, S. 49, 89 und 226 ff.
- ↑ Der Artikel "Beutekunst" in der deutschen Wikipedia
- ↑ Berlins koloniale Beutekunst - Kritiker fordern Baustopp am Humboldt-Forum
Andere Lexika
Wikipedia kennt dieses Lemma (Afrikanische Beutekunst) vermutlich nicht.