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Die Einteilung der Menschen Afrikas in „Stämme“

Aus PlusPedia
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Die Bevölkerung des afrikanischen Kontinents wurde von westlichen Wissenschaftlern jahrhundertelang in „Stämme“ eingeteilt. Diese eurozentristische Einteilung ist nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr haltbar. Der Begriff des „Stammes“ wurde als kolonialistisches und rassistisches Konstrukt demaskiert.

Die im 19. Jahrhundert nach Afrika eindringenden europäischen Kolonialmächte teilten die Bevölkerung des Kontinents schon bald in „Stämme“ ein. Der ideologisch motivierte Begriff - im Englischen „tribe“ und im Französischen „tribu“ - sollte einen Unterschied zwischen modernen, westlichen Gesellschaften und den kolonialisierten Gesellschaften Afrikas ausweisen, wobei letzteren Primitivität und Rückschrittlichkeit unterstellt wurde.

Der Einteilung liegt der realitätsferne Gedanke zugrunde, dass Afrika aus in sich ruhenden, isolierten Gemeinschaften bestehen würde, die sich nur an ihren Rändern berührten und kaum gegenseitig beeinflussten. In Wirklichkeit sind die Gesellschaften Afrikas aber zu vielgestaltig, um sich mit einer einfachen Einteilung in „Stämme“ erfassen zu lassen, und sie sind auch weit weniger isoliert als die Kolonialherren meinten. Die Identitäten der Menschen waren keineswegs so fest, wie der koloniale Staat sie wollte.

Weblinks

Literatur

  • Till Förster: Authentizität / Ein Traum von Einmaligkeit; in Barbara Wagner und Matthias Winzen: Afrika mit eigenen Augen / Vom Erforschen und Erträumen eines Kontinents, Verlag Athena, 2012, Seite 85 - 95
  • David Wiley: Using “Tribe” and “Tribalism” to misunderstand African Societies, Department of Sociology and African Studies Center swe Michigan State University, 2013
  • Wolfgang Kraus: Islamische Stammesgesellschaften / Ttribale Identitäten im Vorderen Orient in sozialanthropologischer Perspektive, Böhlau Verlag, 2004, Seite 27 ff.