PlusPedia wird derzeit technisch modernisiert. Aktuell laufen Wartungsarbeiten. Für etwaige Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung; es sind aber alle Artikel zugänglich und Sie können PlusPedia genauso nutzen wie immer.

Neue User bitte dringend diese Hinweise lesen:

Anmeldung - E-Mail-Adresse Neue Benutzer benötigen ab sofort eine gültige Email-Adresse. Wenn keine Email ankommt, meldet Euch bitte unter NewU25@PlusPedia.de.

Hinweis zur Passwortsicherheit:
Bitte nutzen Sie Ihr PlusPedia-Passwort nur bei PlusPedia.
Wenn Sie Ihr PlusPedia-Passwort andernorts nutzen, ändern Sie es bitte DORT bis unsere Modernisierung abgeschlossen ist.
Überall wo es sensibel, sollte man generell immer unterschiedliche Passworte verwenden! Das gilt hier und im gesamten Internet.
Aus Gründen der Sicherheit (PlusPedia hatte bis 24.07.2025 kein SSL | https://)

Bei PlusPedia sind Sie sicher: – Wir verarbeiten keine personenbezogenen Daten, erlauben umfassend anonyme Mitarbeit und erfüllen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vollumfänglich. Es haftet der Vorsitzende des Trägervereins.

PlusPedia blüht wieder auf als freundliches deutsches Lexikon.
Wir haben auf die neue Version 1.43.3 aktualisiert.
Wir haben SSL aktiviert.
Hier geht es zu den aktuellen Aktuelle Ereignissen

Rolle Frankreichs und Großbritanniens in Afrika: Unterschied zwischen den Versionen

Aus PlusPedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Yaounde (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Yaounde (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 3: Zeile 3:
Paris gehört für alle aus dem französischen Kolonialgebiet hervorgegangenen Staaten zu den wichtigsten Handelspartnern. Französische Unternehmen sind dort aktiver als Investoren aus anderen Ländern. Frankreich tritt dort - wie auch Großbritannien in seinen ehemaligen Kolonien - als größter Entwicklungshilfegeber auf und unterstützt in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen oder der EU oft deren Belange. Bis Ende der 1980er-Jahre gelang es Paris mit Hilfe einer engagierten Militär-, Wirtschafts- und Kulturpolitik, sich vor allem in den jungen Staaten West- und Zentralafrikas eine exklusive Einflusssphäre zu erhalten. Das Verhältnis zu den nordafrikanischen Staaten Algerien, Tunesien und Marokko gestaltete sich aufgrund des weitaus konfliktreicher verlaufenen Ablösungsprozesses schwieriger. Frankreich hatte daher auf die dortigen politischen Verhältnisse einen geringeren Einfluss. Mit der fortgesetzten Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent wollte Frankreich in erster Linie seinen Anspruch auf den Status einer internationalen Großmacht unterstreichen. Während des Kalten Krieges spielte auch die Absicht, eine Ausweitung des sowjetischen Einflusses zu verhindern, eine wichtige Rolle. Um diese Ziele zu erreichen, schreckte Paris nicht davor zurück, undemokratische Regime politisch, wirtschaftlich und im Notfall mit eigenen Soldaten zu unterstützen. Ein zentrales Merkmal der französischen Afrikapolitik war die enge persönliche Verflechtung zwischen den politischen Eliten Frankreichs und jenen der frankophonen afrikanischen Statten. Dies führte häufig zu einer Vermischung privater und öffentlicher Interessen, was die franko-afrikanischen Beziehungen undurchsichtig und besonders anfällig für Korruption und Misswirtschaft machte.  
Paris gehört für alle aus dem französischen Kolonialgebiet hervorgegangenen Staaten zu den wichtigsten Handelspartnern. Französische Unternehmen sind dort aktiver als Investoren aus anderen Ländern. Frankreich tritt dort - wie auch Großbritannien in seinen ehemaligen Kolonien - als größter Entwicklungshilfegeber auf und unterstützt in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen oder der EU oft deren Belange. Bis Ende der 1980er-Jahre gelang es Paris mit Hilfe einer engagierten Militär-, Wirtschafts- und Kulturpolitik, sich vor allem in den jungen Staaten West- und Zentralafrikas eine exklusive Einflusssphäre zu erhalten. Das Verhältnis zu den nordafrikanischen Staaten Algerien, Tunesien und Marokko gestaltete sich aufgrund des weitaus konfliktreicher verlaufenen Ablösungsprozesses schwieriger. Frankreich hatte daher auf die dortigen politischen Verhältnisse einen geringeren Einfluss. Mit der fortgesetzten Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent wollte Frankreich in erster Linie seinen Anspruch auf den Status einer internationalen Großmacht unterstreichen. Während des Kalten Krieges spielte auch die Absicht, eine Ausweitung des sowjetischen Einflusses zu verhindern, eine wichtige Rolle. Um diese Ziele zu erreichen, schreckte Paris nicht davor zurück, undemokratische Regime politisch, wirtschaftlich und im Notfall mit eigenen Soldaten zu unterstützen. Ein zentrales Merkmal der französischen Afrikapolitik war die enge persönliche Verflechtung zwischen den politischen Eliten Frankreichs und jenen der frankophonen afrikanischen Statten. Dies führte häufig zu einer Vermischung privater und öffentlicher Interessen, was die franko-afrikanischen Beziehungen undurchsichtig und besonders anfällig für Korruption und Misswirtschaft machte.  
== Großbritannien ==
== Großbritannien ==
Für die Außenpolitik Großbritanniens waren die Beziehungen zu den britischen Kolonien nach deren Unabhängigkeit zunächst von weniger zentraler Bedeutung als für Frankreich. London verfolgte eine zurückhaltende Politik und konzentrierte sich darauf, die Beziehungen zu seinen ehemaligen Kolonien im Rahmen des Commonwealth aufrechtzuerhalten.  
Für die Außenpolitik Großbritanniens waren die Beziehungen zu den britischen Kolonien nach deren Unabhängigkeit zunächst von weniger zentraler Bedeutung als für Frankreich. London verfolgte eine zurückhaltende Politik und konzentrierte sich darauf, die Beziehungen zu seinen ehemaligen Kolonien im Rahmen des Commonwealth aufrechtzuerhalten. Diese Haltung änderte sich jedoch in den folgenden Jahren. Das zunehmende Engagement der [[Sowjetunion]] vor allem im englischsprachigen Teil Afrikas rückte den Kontinent wieder stärker in den Fokus der Briten mit dem Ziel, die Einflussnahme [[Moskau]]s zu unterbinden.
== Nach Ende des Kalten Krieges ==
Die weltpolitischen Veränderungen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 stellten sowohl für das französische als auch das britische Afrikaengagement eine große Herausforderung dar und zwangen beide Akteure dazu, ihre Politik gegenüber dem Kontinent neu zu bewerten. Im Falle Frankreichs wurde diese Notwendigkeit durch seine zweifelhafte Rolle in Ruanda verstärkt. Paris wurde vorgeworfen, die aus Mitgliedern der Hutu zusammengesetzte Regierung mit Waffen versorgt zu haben, bevor deren Milizen 1994 den Völkermord an der Volksgruppe der Tutsi verübten.  
--------------------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------------------
- Christopher Walsch: Die Afrikapolitik Frankreichs, 1956-1990 / Ideen, Strategien, Paradoxien, Verlag Lang, 2010<br>
- Christopher Walsch: Die Afrikapolitik Frankreichs, 1956-1990 / Ideen, Strategien, Paradoxien, Verlag Lang, 2010<br>
- Bernhard Schmid: Frankreich in Afrika / Eine (Neo)Kolonialmacht in der Europäischen Union zu Anfang des 21. Jahrhundert, Verlag Unrast, 2010
- Bernhard Schmid: Frankreich in Afrika / Eine (Neo)Kolonialmacht in der Europäischen Union zu Anfang des 21. Jahrhundert, Verlag Unrast, 2010

Version vom 14. September 2023, 06:26 Uhr

Die ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien spielen auch mehrere Jahrzehnte nach dem Ende der Kolonialzeit wirtschaftlich wie auch politisch eine wichtige Rolle auf dem afrikanischen Kontinent. Seit dem Ende des Kalten Krieges und noch stärker ab dem 21. Jahrhundert ist aber auch eine verstärkte Tendenz der afrikanischen Staaten bemerkbar sich vom Einfluss dieser beiden einstigen Kolonialmächte zu lösen. Außerdem engagieren sich andere Akteure wie China, Indien, USA, Russland, Brasilien und einige Golfstaaten nun verstärkt auf dem afrikanischen Kontinent.

Frankreich

Paris gehört für alle aus dem französischen Kolonialgebiet hervorgegangenen Staaten zu den wichtigsten Handelspartnern. Französische Unternehmen sind dort aktiver als Investoren aus anderen Ländern. Frankreich tritt dort - wie auch Großbritannien in seinen ehemaligen Kolonien - als größter Entwicklungshilfegeber auf und unterstützt in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen oder der EU oft deren Belange. Bis Ende der 1980er-Jahre gelang es Paris mit Hilfe einer engagierten Militär-, Wirtschafts- und Kulturpolitik, sich vor allem in den jungen Staaten West- und Zentralafrikas eine exklusive Einflusssphäre zu erhalten. Das Verhältnis zu den nordafrikanischen Staaten Algerien, Tunesien und Marokko gestaltete sich aufgrund des weitaus konfliktreicher verlaufenen Ablösungsprozesses schwieriger. Frankreich hatte daher auf die dortigen politischen Verhältnisse einen geringeren Einfluss. Mit der fortgesetzten Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent wollte Frankreich in erster Linie seinen Anspruch auf den Status einer internationalen Großmacht unterstreichen. Während des Kalten Krieges spielte auch die Absicht, eine Ausweitung des sowjetischen Einflusses zu verhindern, eine wichtige Rolle. Um diese Ziele zu erreichen, schreckte Paris nicht davor zurück, undemokratische Regime politisch, wirtschaftlich und im Notfall mit eigenen Soldaten zu unterstützen. Ein zentrales Merkmal der französischen Afrikapolitik war die enge persönliche Verflechtung zwischen den politischen Eliten Frankreichs und jenen der frankophonen afrikanischen Statten. Dies führte häufig zu einer Vermischung privater und öffentlicher Interessen, was die franko-afrikanischen Beziehungen undurchsichtig und besonders anfällig für Korruption und Misswirtschaft machte.

Großbritannien

Für die Außenpolitik Großbritanniens waren die Beziehungen zu den britischen Kolonien nach deren Unabhängigkeit zunächst von weniger zentraler Bedeutung als für Frankreich. London verfolgte eine zurückhaltende Politik und konzentrierte sich darauf, die Beziehungen zu seinen ehemaligen Kolonien im Rahmen des Commonwealth aufrechtzuerhalten. Diese Haltung änderte sich jedoch in den folgenden Jahren. Das zunehmende Engagement der Sowjetunion vor allem im englischsprachigen Teil Afrikas rückte den Kontinent wieder stärker in den Fokus der Briten mit dem Ziel, die Einflussnahme Moskaus zu unterbinden.

Nach Ende des Kalten Krieges

Die weltpolitischen Veränderungen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 stellten sowohl für das französische als auch das britische Afrikaengagement eine große Herausforderung dar und zwangen beide Akteure dazu, ihre Politik gegenüber dem Kontinent neu zu bewerten. Im Falle Frankreichs wurde diese Notwendigkeit durch seine zweifelhafte Rolle in Ruanda verstärkt. Paris wurde vorgeworfen, die aus Mitgliedern der Hutu zusammengesetzte Regierung mit Waffen versorgt zu haben, bevor deren Milizen 1994 den Völkermord an der Volksgruppe der Tutsi verübten.


- Christopher Walsch: Die Afrikapolitik Frankreichs, 1956-1990 / Ideen, Strategien, Paradoxien, Verlag Lang, 2010
- Bernhard Schmid: Frankreich in Afrika / Eine (Neo)Kolonialmacht in der Europäischen Union zu Anfang des 21. Jahrhundert, Verlag Unrast, 2010