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Institut für Sozialforschung: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Institut für Sozialforschung''' (kurz IfS) wurde 1923 in [[Frankfurt am Main]] gegründet. In den 1930er Jahren wurden - insbesondere die [[Juden|jüdischen]] - Mitglieder des Instituts gezwungen, Deutschland zu verlassen. Hintergrund war der [[Antisemitismus]] der  [[Nationalsozialismus|Nationalsozialisten]] und die damit verbundene Ablehnung der vom Institut entwickelten, angeblich „jüdischen“ Theorien. 1933 wurde das Institut gewaltsam geschlossen und ließ sich als „Société Internationale de Recherches Sociales“ in [[Genf]] nieder, nachdem es bereits 1932 eine Zweigstelle bei der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf eröffnet hatte. Von Genf zog das Institut 1934 nach [[New York City]], wo es mit der [[Columbia University]] zusammenarbeitete.<ref>Emil Walter-Busch: ''Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik''. Wilhelm Fink, München 2010. S. 24f.</ref>  Das Institutsjournal wurde von ''Zeitschrift für Sozialforschung'' in ''Studies in Philosophy and Social Science'' umbenannt. [[1951]] wurde das IfS unter der Leitung von [[Max Horkheimer]] als Forschungs- und Lehrstätte in Frankfurt am Main wiedereröffnet.
Das '''Institut für Sozialforschung''' (kurz IfS) wurde 1923 in [[Frankfurt am Main]] gegründet. In den 1930er Jahren wurden - insbesondere die [[Juden|jüdischen]] - Mitglieder des Instituts gezwungen, Deutschland zu verlassen. Hintergrund war der [[Antisemitismus]] der  [[Nationalsozialismus|Nationalsozialisten]] und die damit verbundene Ablehnung der vom Institut entwickelten, angeblich „jüdischen“ Theorien. 1933 wurde das Institut gewaltsam geschlossen und ließ sich als „Société Internationale de Recherches Sociales“ in [[Genf]] nieder, nachdem es bereits 1932 eine Zweigstelle bei der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf eröffnet hatte. Von Genf zog das Institut 1934 nach [[New York City]], wo es mit der [[Columbia University]] zusammenarbeitete.<ref>Emil Walter-Busch: ''Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik''. Wilhelm Fink, München 2010. S. 24f.</ref>  Das Institutsjournal wurde von ''Zeitschrift für Sozialforschung'' in ''Studies in Philosophy and Social Science'' umbenannt. [[1951]] wurde das IfS unter der Leitung von [[Max Horkheimer]] als Forschungs- und Lehrstätte in Frankfurt am Main wiedereröffnet.


Eine erste größere, auch empirisch orientierte Arbeit des IfS an der Columbia University war die Untersuchung über ''Autorität und Familie''. Sie umfasste über eintausend Seiten und wurde 1936 veröffentlicht. Den Studien wurden theoretische Aufsätze von Max Horkheimer, [[Erich Fromm]] und [[Herbert Marcuse]] vorangestellt. Es sind Studien über den Zusammenhang von [[Autoritarismus|autoritären]] Familienstrukturen, [[Kapitalismus]] und die Entwicklung des [[Faschismus|faschistischen]] Staates.<ref>Bernhard Schäfers: ''Einführung in die Soziologie'', VS Springer, 2019, Seite 195</ref> Zu den wichtigsten Werken des Instituts, das die marxistischen Kategorien auf die Kulturwissenschaften anwandten, gehörten ''On Popular Music'', welches [[Theodor Adorno]] zusammen mit [[George Simpson]] verfasste und 1941 in der Zeitschrift ''Studies in Philosophy and Social Sciences'' publizierte,<ref>"[http://www.icce.rug.nl/~soundscapes/DATABASES/SWA/On_popular_music_1.shtml On popular music]". Originally published in: Studies in Philosophy and Social Science, New York: Institute of Social Research, 1941, IX, 17-48. See Gordon Welty [http://www.wright.edu/~gordon.welty/Adorno_84.htm "Theodor Adorno and the Culture Industry"] (1984)</ref> Adornos und Horkheimers ''Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug'', ursprünglich ein Kapitel in der ''Dialektik der Aufklärung'' (1947),<ref>Theodor W. Adorno and Max Horkheimer "Enlightment as mass deception" ''Dialectic of Enlightenment''. London: Verso, 1979, 120-167 (originally published as: ''Dialektik der Aufklärung''. Amsterdam: Querido, 1947). On-line [http://www.wright.edu/~gordon.welty/Adorno_84.htm the University of Groningen website] and http://www.marxists.org/reference/archive/adorno/1944/culture-industry.htm Marxist Internet Archive]. Siehe Gordon Welty [http://www.wright.edu/~gordon.welty/Adorno_84.htm "Theodor Adorno and the Culture Industry"] (1984).</ref> ''Philosophie der neuen Musik'' von Adorno (1949) und ''Résumé über Kulturindustrie'', ein Radiovortrag von Adorno im Jahre 1963.
Eine erste größere, auch empirisch orientierte Arbeit des IfS an der Columbia University war die Untersuchung über ''Autorität und Familie''. Sie umfasste über eintausend Seiten und wurde 1936 veröffentlicht. Den Studien wurden theoretische Aufsätze von Max Horkheimer, [[Erich Fromm]] und [[Herbert Marcuse]] vorangestellt. Es sind Studien über den Zusammenhang von [[Autoritarismus|autoritären]] Familienstrukturen, [[Kapitalismus]] und die Entwicklung des [[Faschismus|faschistischen]] Staates.<ref>Bernhard Schäfers: ''Einführung in die Soziologie'', VS Springer, 2019, Seite 195</ref> Zu den wichtigsten Werken des Instituts, das Kategorien des [[Marxismus]] auf die [[Kulturwissenschaft]]en anwandte, gehörten ''On Popular Music'', welches [[Theodor Adorno]] zusammen mit George Simpson verfasste und 1941 in der Zeitschrift ''Studies in Philosophy and Social Sciences'' publizierte,<ref>"[http://www.icce.rug.nl/~soundscapes/DATABASES/SWA/On_popular_music_1.shtml On popular music]". Originally published in: Studies in Philosophy and Social Science, New York: Institute of Social Research, 1941, IX, 17-48. See Gordon Welty [http://www.wright.edu/~gordon.welty/Adorno_84.htm "Theodor Adorno and the Culture Industry"] (1984)</ref> Adornos und Horkheimers ''Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug'', ursprünglich ein Kapitel in der ''Dialektik der Aufklärung'' (1947),<ref>Theodor W. Adorno and Max Horkheimer "Enlightment as mass deception" ''Dialectic of Enlightenment''. London: Verso, 1979, 120-167 (originally published as: ''Dialektik der Aufklärung''. Amsterdam: Querido, 1947). On-line [http://www.wright.edu/~gordon.welty/Adorno_84.htm the University of Groningen website] and http://www.marxists.org/reference/archive/adorno/1944/culture-industry.htm Marxist Internet Archive]. Siehe Gordon Welty [http://www.wright.edu/~gordon.welty/Adorno_84.htm "Theodor Adorno and the Culture Industry"] (1984).</ref> ''Philosophie der neuen Musik'' von Adorno (1949) und ''Résumé über Kulturindustrie'', ein Radiovortrag von Adorno im Jahre 1963.
 
Direktor ist seit 2021 der deutsche Soziologe [[Stephan Lessenich]].
 
== Siehe auch ==
*[[Frankfurter Schule]]


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Aktuelle Version vom 13. Juni 2024, 08:25 Uhr

Das Institut für Sozialforschung (kurz IfS) wurde 1923 in Frankfurt am Main gegründet. In den 1930er Jahren wurden - insbesondere die jüdischen - Mitglieder des Instituts gezwungen, Deutschland zu verlassen. Hintergrund war der Antisemitismus der Nationalsozialisten und die damit verbundene Ablehnung der vom Institut entwickelten, angeblich „jüdischen“ Theorien. 1933 wurde das Institut gewaltsam geschlossen und ließ sich als „Société Internationale de Recherches Sociales“ in Genf nieder, nachdem es bereits 1932 eine Zweigstelle bei der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf eröffnet hatte. Von Genf zog das Institut 1934 nach New York City, wo es mit der Columbia University zusammenarbeitete.[1] Das Institutsjournal wurde von Zeitschrift für Sozialforschung in Studies in Philosophy and Social Science umbenannt. 1951 wurde das IfS unter der Leitung von Max Horkheimer als Forschungs- und Lehrstätte in Frankfurt am Main wiedereröffnet.

Eine erste größere, auch empirisch orientierte Arbeit des IfS an der Columbia University war die Untersuchung über Autorität und Familie. Sie umfasste über eintausend Seiten und wurde 1936 veröffentlicht. Den Studien wurden theoretische Aufsätze von Max Horkheimer, Erich Fromm und Herbert Marcuse vorangestellt. Es sind Studien über den Zusammenhang von autoritären Familienstrukturen, Kapitalismus und die Entwicklung des faschistischen Staates.[2] Zu den wichtigsten Werken des Instituts, das Kategorien des Marxismus auf die Kulturwissenschaften anwandte, gehörten On Popular Music, welches Theodor Adorno zusammen mit George Simpson verfasste und 1941 in der Zeitschrift Studies in Philosophy and Social Sciences publizierte,[3] Adornos und Horkheimers Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug, ursprünglich ein Kapitel in der Dialektik der Aufklärung (1947),[4] Philosophie der neuen Musik von Adorno (1949) und Résumé über Kulturindustrie, ein Radiovortrag von Adorno im Jahre 1963.

Direktor ist seit 2021 der deutsche Soziologe Stephan Lessenich.

Siehe auch

Andere Lexika





Einzelnachweise

  1. Emil Walter-Busch: Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik. Wilhelm Fink, München 2010. S. 24f.
  2. Bernhard Schäfers: Einführung in die Soziologie, VS Springer, 2019, Seite 195
  3. "On popular music". Originally published in: Studies in Philosophy and Social Science, New York: Institute of Social Research, 1941, IX, 17-48. See Gordon Welty "Theodor Adorno and the Culture Industry" (1984)
  4. Theodor W. Adorno and Max Horkheimer "Enlightment as mass deception" Dialectic of Enlightenment. London: Verso, 1979, 120-167 (originally published as: Dialektik der Aufklärung. Amsterdam: Querido, 1947). On-line the University of Groningen website and http://www.marxists.org/reference/archive/adorno/1944/culture-industry.htm Marxist Internet Archive]. Siehe Gordon Welty "Theodor Adorno and the Culture Industry" (1984).