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Weißes Palais (Kassel)

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Das Weiße Palais in Kassel war das Rezidenzpalais der beiden letzten Kurfürsten von Hessen-Kassel. das Weiße Palais hatte folgende Räume: Stuckgalerie, Tanzsaal, Speisegalerie und Pariser Saal

Vestibül

Das Vestibül: Die Wände braun marmoriert, die Decke weiß gestrichen, der Fußboden aus roten und weißen Sandsteinplatten (die hessischen Farben). Im Hintergrund sichtbar die Treppe aus Eichenholz; das Geländer aus Birnbaumholz (Stäbe) und schwarz gebeiztem Kirschholz (Handlauf). Durch zwei Glastüren erreichte man das Vorzimmer. Von diesem einfach ausgestatteten Raum ging hofseitig in das Neben­gebäude ein Kabinett ab, welches in die Gelbe Galerie führte, im Hauptgebäude grenzten die Privaträume mit dem Schlafzimmer an; an der Seite zum Friedrichsplatz folgte auf das Vorzimmer der ehem. Festsaal des Gebäudes, der nun als Roter Saal eingerichtet war:



Roter Saal

Der Roter Saal: Die Ausstattung des Roten Saales (Tapeten, Fries, Deckenbemalung, Möbel) stammt weitgehend erst aus der Zeit um 1861. Zuvor besaß der hinter dem Balkon gelegene Hauptsaal eine Bespannung aus breitstreifigem roten Seidendamast und eine mit Rosetten bemalte und vergoldete Decke.

Die Wandbespannung war roter Seidendamast, Lambris und Türen bestanden aus Birken-, Kastanien- und Birnbaumholz, die Konsolen der Türverdachungen waren vergoldet. Hinter den Öfen gelber Stuckmarmor. Decke und Fries waren bunt bemalt.




Gelbes Zimmer

Auch das Gelbe Wohnzimmer ist das Ergebnis späterer Veränderungen, die hier um 1851 vorgenommen wurden. Namensgeben war die gelbe Seidenbespannung der Wände, ebenso war die Decke gelb grundiert. Lambris, Türen und Fensternischen aus Birnbaum, Birke (Füllungen) und Kastanie (Rahmen). Fries und Decke bunt bemalt.



Ursprünglich befand sich an der Rückwand eine Nische mit Pilastergliederung und Diwan, zwischen den Pilastern Draperien aus blaugestreiftem Seidendamast, seitlich an der Rückwand Öfen. Beim Umbau wurde die Nische geschlossen, Fries und Decke neu bemalt, die Öfen entfernt und die Wandbespannung erneuert.




Holzkabinett

Das Holzkabinett befand sich an der Gebäudeecke zu Friedrichsplatz und Königsstraße; das platzseitige Fenster war allerdings zugesetzt, und an der Innenseite befand sich hier ein Spiegel. Die Wände, Türen und Fensternischen waren mit gemasertem Birkenholz in goldbraun schimmernder Farbe vertäfelt, mit Einlagen aus Kastanien- und Pappelholz. Die Säulen aus dunklem, polierten Erlen­maserholz, die Postamente aus Nußbaumholz. Einzelne Ornamente (Säulenbasen und –kapitelle, Blattkränze, Friesornamente, Spiegel­umrahmung) waren weiß lackiert, die Ornamente am Kranzgesims vergoldet. Der Fußboden aus hell und dunkel gebeiztem Ahornholz, die Decke im Mittelfeld mit rosa Grund, in den Zwickeln mit blauem Grund.



Ägyptisches Zimmer

Das Ägyptische Zimmer: Dieses im deutschen Empire einzigartige Zimmer war ganz im wirkungsvollen Farbkontrast Schwarz-Gelb/Gold gehalten: Die Wandgliederung bestand vollständig aus schwarz gebeiztem und polierten Birnbaumholz mit vergoldeten Ornamenten, Draperien und Möbelbezüge bestanden aus gelbem Seidendamast mit schwarz/weiß gemusterten Borten, Schnüren und Quasten. Verspiegelte Wandfelder, Türen und Supraporten sowie das verspiegelte Mittelfeld der Decke mit den vergoldeten Ornamenten steigerten die Wir­kung des Raumes. Die bemalte Decke war ansonsten im mittleren Feld blau grundiert, im Fries grün, mit gelber Einfassung, die Ornamente gold­farben und grün.




Das Ägyptische Zimmer und der nachfolgende Coursaal gehörten zur zweiten Umbauphase zum kurprinzlichen Palais, nachdem zunächst die Wohn- und Gesellschaftsräume im Hauptgebäude begonnen worden waren. Im Seitenflügel und den folgenden Anbauten wurden hauptsächlich Repräsentationsräume geschaffen. Einen ersten Höhepunkt nach dem Ägyptischen Zimmer bildete der Coursaal, der als Audienzsaal und ab 1821 bis zur Fertigstellung des Roten Palais als Thronsaal diente:




Coursaal

Der Coursaal: Rot war die vorherrschende Farbe des Coursaals, mit zahlreichen Vergoldungen: Türen, Supraporten, Lambris und Fensternischen aus Mahagoni mit vergoldeten Beschlägen, die Wandflächen mit rotem, feuerfarbenem Seidendamast bespannt. Die Ofennischen mit rötlich-gelbem Stuckmarmor bekleidet, die Archivolten blau und gold gestrichen, Kapitelle und Kränze vergoldet. Die Pilaster neben den Türen aus Ahornholz mit vergoldeten Basen und Kapitellen, das Hauptgesims blau grundiert, mit reichen Vergoldungen. Die Decke war bunt bemalt, zur Mitte hin in helleren Farben.


An der nördlichen Stirnseite des Coursaals befand sich ursprünglich eine halbrunde Nische, die 1842 entfernt wurde, dabei wurde auch die Wandgliederung verändert, indem die Blindtür der Südseite als Tür an die neue Nordwand versetzt und Spiegel und Konsoltisch entfernt wurden.


Aus dem Vorzimmer der Beletage gelangte man hofseitig durch ein kleines Kabinett in eine zweite Folge von Repräsentationsräumen: Zunächst in die Gelbe Galerie, von der keine photographischen Abbildungen bekannt sind, und die ihren Namen nach der Farbe ihrer Wandbespannung erhalten hatte; dann vermittelte ein kleines Kabinett in die neuen Anbauten:





In der Stuckgalerie gab es Tür zur Dienertreppe; links führt eine Tür in die Gelbe Galerie. Rechts ist in der Wandverkleidung eine weitere, nachträglich eingebaute Tür verborgen, welche das Weiße Palais nach 1821 mit dem angrenzenden Palais Reichenbach verband.

Die Wände waren mit einer gelblich lackierten Boiserie verkleidet, mit grün-braunen Dekorationen. Der Fries hatte einen rosafarbenen Hintergrund. Der Raum erhielt Tageslicht nur durch ein rundes Oberlicht in der Decke.





Stuckgalerie

Die Stuckgalerie diente neben der Gelben Galerie zunächst als Speisesaal. Sie stellte zugleich die Verbindung zum Tanzsaal her. Die Wände waren mit grünem Stuckmarmor überzogen, an der Lambris etwas dunkler. Davon hoben sich die weißen Leisten der Lambris, der gelbe Stuckmarmor der Pilaster und Archivolten sowie des Kämpfergesimses und Hauptgesimses und die weißen Basen und Kapitelle ab. Die Decke war hellblau-grau grundiert, mit weißem Stuck. Die Türen (zur Fensterseite jeweils eine Blendtür) hatten einen Rahmen aus Kastanienholz, Leisten aus Mahagoni und Füllungen aus Maserholz. Möbelbezüge und Vorhänge waren aus grüner Seide bzw. grünem und gelbem Stoff, die Möbel aus Birkenmaserholz mit vergoldeten Beschlägen.








Tanzsaal

Durch die seitliche Tür im Thronsaal gelangte man nun in den großen Tanzsaal im sog. Weißen Palais, welcher aus der ersten Erweiterungsphase des kur­prinz­lichen Palais stammte:


Der Tanzsaal (Fläche 11 m x 25 m) Säulen aus Lapislazuli auf gelbem Stuckmarmor, blauseidene Vorhänge.

Der Tanzsaal entstand zwischen 1817 und 1823 - mit 26,60m Länge, 11,80m Breite und 8m Höhe der größte Saal des Residenzpalais, in der Qualität seiner Ausstattung vielleicht der bedeutendste Saal des Empirestils in Deutschland. Der Saal wurde von dem wirkungsvollen Farbkontrast gelb (gold) / blau bestimmt: die Wandflächen in gelblichem Stuckmarmor, Säulenschäfte und Fries in blauem Stuckmarmor (Lapislazuli-ähnlich) mit vergoldeten Basen, Kapitellen und Ornamenten. Auch die Möbel­bezüge und Vorhänge waren in demselben Tiefblau gehalten, mit goldenen Sternen. Die Decke hellblau grundiert, mit weißgrauen und bronzefarbenen Malereien auf blauem und gelbem Grund. Die Sockelzone aus braunem Stuckmarmor leitete zum Intarsienfußboden über, der aus Kirsche, Ahorn und Mahagoni bestand; die Türen und Möbel wiederum aus Mahagoni mit vergoldeten Beschlägen. Der große Kronleuchter in der Mitte hatte einen Durchmesser von fast 3m und wog 38 Zentner; insgesamt konnte der Saal von mehr als 700 Kerzen erhellt werden.[1]



Den Höhepunkt der Raumfolge bildete der Tanzsaal: mit insgesamt 26,60m Länge, 11,80m Breite und 8m Höhe der größte Saal des Residenzpalais, in der Qualität seiner Ausstattung vielleicht der bedeutendste Saal des Empirestils in Deutschland.


Der Saal wurde von dem wirkungsvollen Farbkontrast gelb (gold) / blau bestimmt: die Wandflächen in gelblichem Stuckmarmor, Säulenschäfte und Fries in blauem Stuckmarmor (Lapislazuli-ähnlich) mit vergoldeten Basen, Kapitellen und Ornamenten. Auch die Möbel­bezüge und Vorhänge waren in demselben Tiefblau gehalten, mit goldenen Sternen. Die Decke hellblau grundiert, mit weißgrauen und bronzefarbenen Malereien auf blauem und gelbem Grund. Die Sockelzone aus braunem Stuckmarmor leitete zum Intarsien­fußboden über, der aus Kirsche, Ahorn und Mahagoni bestand; die Türen und Möbel wiederum aus Mahagoni mit vergoldeten Beschlä­gen. Der große Kronleuchter in der Mitte hatte einen Durchmesser von fast 3m und wog 38 Zentner; insgesamt konnte der Saal von mehr als 700 Kerzen erhellt werden.

Nach dem Anbau des Roten Palais mußte das Fenster an der Südseite in eine Tür umgewandelt werden, welche den Saal mit dem Thronsaal verband. Darüber befand sich die Musikerempore, deren halbkreisförmiges Fenster dabei geschlossen wurde. Der Aufgang zur Empore befand sich hinter der linken Tür.





Pariser Saal

Die Wände des Pariser Saals (Büffetzimmer) waren bis zum Kämpfergesims mit Boiserie bekleidet: ebenso wie die Türen hauptsächlich in verschiedenen Gelbtönen lackiert, mit vergoldeten Rahmen; desgleichen waren die Ofennischen mit den seitlichen Pilastern aus gelblichem Stuckmarmor. Die Wandfelder und Supraporten waren verspiegelt bzw. auf weißem Grund mit pompejanischen Dekorationen und Bacchanalien bunt bemalt. Die Füllungen der Türen und der Lambris waren in dunklerem Gelb lackiert. Die obere Wandzone bestand aus rosagrauem Stuckmarmor, Flachreliefs, Hauptgesims und Archivolten aus weißem Stuckmarmor. Die Decke mit blaugrünen Vouten und rosafarbenem Grund, die Dekors in Bronze, Grün, Gelb und Blau gemalt. Die Flachreliefs stellten über den Ofennischen Musik (N-Seite) und den Tanz (S-Seite) dar, über den Türen gefesselte Kentauern mit Amoretten.


weitere Räume

An den Roten Saal des Weißen Palais grenzten in östlicher Richtung weitere Wohnräume an:





Grünes Zimmer

Grünes Wohnzimmer (Arbeitszimmer): Fries- und Deckenbemalung in bunten Farben stammten aus einer Renovierung des Jahres 1845. Die Wände waren mit grünem Damast bespannt. Lambris und Türen bestanden aus dunkel gebeiztem Birkenholz, helleren Füllungen aus Birke und Rahmen aus Kirschholz. Der Stuckmarmor an Säulen und Ofennische war grau, Basen und Kapitelle sowie Profilleisten weiß.


In diesem Raum, der auch als Arbeitszimmer Kurfürst Wilhelms II. diente, spielte sich am 15. September 1830 ein bedeutendes Ereignis der hessischen Geschichte ab: Unter Führung des Oberbürgermeisters Carl Schomburg überreichten der Kasseler Stadtrat und einige Deputierte aus der Bürgerschaft dem Kurfürsten eine Petition. Darin schilderten sie die Not des Landes und die Gefahren, die daraus resultieren könnten. Abschließend baten sie um Einberufung der Ständeversammlung. Als der Kurfürst – sichtlich gerührt – dem zustimmte, gab der Küfermeister und Likörfabrikant Carl Herbold am Fenster ein Zeichen mit seinem Taschentuch; die wartende Volksmenge brach in Jubel aus, und der Kurfürst zeigte sich auf dem Balkon des Palais. – Die Bewilligung der Petition mündete schließlich in die Aufstellung und Verabschiedung der Kurhessischen Verfassung 1831, die als freiheitlichste innerhalb des Deutschen Bundes und sogar als fortschrittlichste im Europa jener Zeit gilt.








Schlafzimmer

Das Schlafzimmer mit dem benachbarten Ankleidezimmer grenzte hofseitig an das Vorzimmer der Beletage im Weißen Palais an; neben den verschiedenen Hölzern dominierten seit einer Renovierung von 1861 die Farben Grün und Weiß den Raum: Wandbespannungen aus grünem Seidendamast, Decke und Fries weiß, mit aufgemalten grünen Ornamenten, in der Mitte eine vergoldete Stuckrosette; Kapitelle und Basen der Säulen und Pilaster ebenfalls weiß. Lambris, Türen, Säulen- und Pilasterschäfte sowie die Möbel aus Birkenmaserholz; die Füllungen dunkel gebeizt, die Rahmen aus Nußbaumholz. An den Möbeln außerdem Sockel aus Mahagoni und vergoldete Beschläge.






(Bidlingmaier, S. 135)







Literatur

  • Bildlingmaier, Rolf: Das Residenzpalais in Kassel (Studien zum Kulturerbe in Hessen 1), Regensburg 2000.
  • Heidelbach, Paul: Kassel. Ein Jahrtausend hessischer Stadtkultur, hg. von Karl Kaltwasser, Kassel und Basel 1957.
  • Holtmeyer, Alois: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Bd. VI, Kreis Cassel-Stadt, 5 Bde., Marburg 1923.
  • Huth, Hans: Das Residenzpalais in Kassel. Amtlicher Führer, Berlin 1930.


Andere Lexika





Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Bidlingmaier, S. 194f.