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Chinatown, My Chinatown: Unterschied zwischen den Versionen

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* Dietrich Schulz-Köhn: ''`I Got Rhythm` - 40 Jazz-Evergreens und ihre Geschichte'', Wilhelm Heyne Verlag, München, 1994, ISBN 3-453-07810-1, Seite 123 bis 129
* Dietrich Schulz-Köhn: ''`I Got Rhythm` - 40 Jazz-Evergreens und ihre Geschichte'', Wilhelm Heyne Verlag, München, 1994, ISBN 3-453-07810-1, Seite 123 bis 129
*Charles Hiroshi Garrett: ''Struggling to define a nation - American music and the twentieth century'', University of California Press

Version vom 28. Februar 2011, 10:05 Uhr

Chinatown, My Chinatown ist ein im Jahr 1906 komponierter Song des Komponisten Jean Schwartz und Texters William Jerome. Er wurde im Jahr 1910 eine Nummer der Revue Up and Down Broadway von W. C. Fields. [1] Später wurde er dann im Dixieland-Jazz und im Swing häufig und von vielen Musikern sehr unterschiedlich interpretiert und wurde zu einem Jazz-Standard.

Entstehungshintergründe

Durch die Zuwanderung chinesischer Menschen in die USA ab ungefähr 1840 enstanden ungefähr eine Generation später, besonders in San Francisco, New York und Chicago, mit den Chinatowns eigene chinesisch geprägte Stdtviertel. Obwohl die chinesischen Zuwanderer von der europäischstämmigen Bevölkerung nicht sehr geschätzt und auch diskriminiert [2] wurde, entstand um und nach der Jahrhundertwende in Literatur, Theater und Musik eine "Fernost-Mode", die das chinesische Leben klischeehaft und meist fern der realen Lebensverhältnisse thematisierte, [3] und heutzutgae unter dem Begriff Exotismus behandelt wird. [4] Anfang des 20. Jahrhunderts entstand auch schon mit Fahrten in die Chinatowns ein bescheidener Tourismus, bei dem die Besucher ihre gängigen Stereotypen von freundlich lächelnden aber in Armut und Schmutz lebenden Chinesen, leichtem Leben, und vor allem Lasterhaftigkeit und Opiumhöhlen bestätigt sehen wollten.

Ab den 1880er-Jahren begannen amerikanische Musikwissenschaftler wie z.B. Benjamin Ives Gilman chinesische Musik aufzunehmen und zu analysieren. Die Tin Pan Alley-Songwriter ließen sich später auch von diesen Analysen inspirieren. Auch europäische Stücke die sich des fernöstlichen Sujets annahmen wie The Mikado aus dem Jahr 1885 von Gilbert und Sullivan aus England, Chinese Serenade des Deutschen Hermann Fliege von 1880, und besonders Giacomo Rossinis Oper Madame Butterfly mit der Liebesbeziehung zwischen einer Japanerin und einem amerikanischen Marineleutnant aus dem Jahr 1904 waren in den USA sehr erfolgreich. [5] Im Jahr 1891 hatte das Musical A Trip to Chinatown von Charles H. Hoyt über 600 Aufführungen und gehörte damit für über drei Jahrzehnte zum erfolgreichsten Musical in den USA. [6] Im Jahr 1897 wurde Francis Powers Theaterstück The First Born uraufgeführt, [7] für welches die Komponisten Lee Johnson und Wiliam Furst einige Songs mit chinesischem Flair wie Chinese Highbinder Patrol, Death Vail, Chinese Ballad oder Feast of the Frost komponiert hatten. [8] William P. Brayton komponierte im Jahr 1906 den Song The Mandarin. [9] [10]

Die Revue

Der Revue Up and Down Broadway war kein großer Erfolg beschieden. Sie erlebte in New York nur 72 Aufführungen und danach eine kleinere Tournee durch Philadelphia, Baltimore, Chicago, Albany und ein paar andere Städte. Auch der Song Chinatown, My Chinatown blieb relativ unpopulär.

Spätere Interpretationen

Die über 50 bekannten Interpretationen des Songs reichen mit der Aufnahme von Grace Kerns und John Barnes Wells aus dem Jahr 1915 [11] bis in die Gegenwart. Unter den Interpreten befanden sich u.a. bekannte Größen wie Fletcher Henderson, Louis Armstrong, Lionel Hampton, Tommy Dorsey, Chet Atkins, Bing Crosby, Benny Carter, Art Tatum, Benny Goodman, Sarah Vaughan oder Django Reinhard. [12]

  • Bis Ende der 1920-er-Jahre entstanden folgende Aufnahmen:
  • Der Titel wurde von den Swing-Bands der 1930-er-Jahre, obwohl das Stück in der Klavierausgabe von 1910 "nur" mit Allegro moderato überschrieben war, oft in Instrumentalversionen in einem sehr schnellen Tempo gepielt. So stellte Gunter Schuller für die Version des Fletcher Henderson Orchesters circa 250 Beats per minute fest. Damit war Henderson fast doppelt so schnell wie Jean Schwartz. Die Version von Red Nichols war mit ungefähr 240 bpm annähernd gleich schnell, [18] und eine Aufnahme von Jack Hylton [19] kommt sogar auf ungefähr 285 bpm. [20] Die Interpretationen waren oft mit rasanten Läufen der Saxophon-Gruppe, Bläser-Riffs und schnellen Soli in Achtelwerten versehen. Der Titel diente dabei oft als Eröffnungsstück (flag-waver) für Konzerte. [21] Die Strophen (Verse) des Songs wurden meist weggelassen und nur die 32 Takte des Refrains (Chorus) gespielt und/oder über sie improvisisert. [22]

Einzelnachweise

  1. Dietrich Schulz-Köhn: `I Got Rhythm` - 40 Jazz-Evergreens und ihre Geschichte, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1994, ISBN 3-453-07810-1, Seite 125 und 129
  2. Anm.: Siehe das Chinese Exclusion Act von 1882.
  3. Dietrich Schulz-Köhn: `I Got Rhythm` - 40 Jazz-Evergreens und ihre Geschichte, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1994, Seite 123 und 124
  4. Siehe z.B. Peter Revers: Das Fremde und das Vertraute - Studien zur musiktheoretischen und musikdramatischen Ostasienrezeption, Beihefte zum Archiv für Musikwissenschaft, Band XLI, Franz Steiner Verlag, Stutgart, 1997
  5. Krystyn R. Moon: Yellowface - Creating the Chinese in American popular music and performance, 1850s-1920s, Rutgers University Press, 2005, S. 92 ff.
  6. Dietrich Schulz-Köhn: `I Got Rhythm` - 40 Jazz-Evergreens und ihre Geschichte, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1994, Seite 124
  7. Alan Gevinson: American Film Institute catalog, Within our Gates: Ethnicity in American Feature Films, 1911-1960, S. 336
  8. Krystyn R. Moon: Yellowface - Creating the Chinese in American popular music and performance, 1850s-1920s, Rutgers University Press, 2005, S. 95 - 98
  9. List of Works by William P Brayton; auf www.grainger.de
  10. Krystyn R. Moon: Yellowface - Creating the Chinese in American popular music and performance, 1850s-1920s, Rutgers University Press, 2005,S. 100
  11. Columbia 1624; nach Grace Kerns and John Barnes Wells Songs auf www.musicvf.com
  12. Charles Hiroshi Garrett: Struggling to define a nation - American music and the twentieth century, University of California Press, 2008, S. 126 und 127
  13. Im Jahr 1915 als Columia 1624
  14. Im Jahr 1915 als Victoria 17684
  15. Im Jahr 1916 als Columbia 5674
  16. Im Jahr als Columbia 1619-D; nach Columbia Vivatonal Records 1501-D to 2000-D Recorded 1928-1929 auf www,freewebs.com
  17. Im Jahr 1929 als Brunswick 4363
  18. Siehe die Version von Red Nichols auf http://www.youtube.com/watch?v=hqSMXvfGZXA
  19. Anm.: Zwischen 1935 und 1939
  20. Siehe die Version von Jack Hylton auf www.youtube.com
  21. Dietrich Schulz-Köhn: `I Got Rhythm` - 40 Jazz-Evergreens und ihre Geschichte, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1994, ISBN 3-453-07810-1, Seite 125
  22. Charles Hiroshi Garrett: Struggling to define a nation - American music and the twentieth century, University of California Press, 2008, S. 154

Literatur

  • Dietrich Schulz-Köhn: `I Got Rhythm` - 40 Jazz-Evergreens und ihre Geschichte, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1994, ISBN 3-453-07810-1, Seite 123 bis 129
  • Charles Hiroshi Garrett: Struggling to define a nation - American music and the twentieth century, University of California Press